Felsbilder aus der ägyptischen Urgeschichte entdeckt

23. März 2017, 07:00
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Forscher: Ritualbilder bilden möglicherweise eine Brücke von der Jungsteinzeit zur klassischen Geschichte des alten Ägypten

Bonn – Ägypten war die Heimat einer der ältesten Hochkulturen der Welt. Archäologische Funde aus einer Ära, die ihr noch vorausgingen, könnten eine Brücke zwischen prähistorischer und historischer Zeit schlagen, wie die Universität Bonn berichtet.

Seit über 100 Jahren erforschen Archäologen einen Qubet el Hawa genannten Hügel in der Nähe von Assuan. Hier gab es einst einen bedeutenden Handelsstützpunkt der Ägypter in Nubien, deren Eliten in Felsengräbern bestattet wurden. Die Geschichte dieser Nekropole der Provinzhauptstadt Elephantine reicht von etwa 2200 bis ins vierte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zurück.

Zeitsprung

Eine Grabung, die im Jahr 2015 in der Nekropole begonnen wurde, brachte jedoch noch wesentlich ältere Besiedlungsspuren zutage. Das Team um den Bonner Forscher Ludwig Morenz entdeckte neolithische Felsbilder, die aus dem vierten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung stammen. "Für diese Datierung liefern Stil und Ikonographie solide Indizien", sagt Morenz. Einige der Felsgravuren seien in Ikonographie und Stilistik eindeutig ägyptisch, andere in Darstellungsweise und Bildmotiven deutlich präägyptisch.

Die Bilder wurden mit einer harten Spitze in den Fels gepickt und sind aufgrund des hohen Alters kaum noch zu erkennen. Die Anordnung von Punkten zeigt drei Figuren: einen Jäger mit Bogen und einen tänzelnden Mann mit erhobenen Armen, der möglicherweise eine Vogelmaske trägt. Zwischen den beiden Menschen ist ein Afrikanischer Strauß zu sehen.

"Dabei zeigt der Bogenschütze deutlich die Jagd auf den großen Laufvogel, während der Mann mit den erhobenen Armen als ein Jagd-Tänzer gedeutet werden kann", sagt Morenz. Den Wissenschafter erinnert die Szene an schamanistische Rituale, wie sie aus vielen Teilen der Welt bekannt sind.

"Neue Horizonte"

"In der Ägyptologie ist diese soziale Praxis und der damit verbundene Vorstellungskomplex noch kaum behandelt worden", sagt Morenz. Aus derselben Ära wie die Felsgravur kennt man auch kleine bemalte Frauenfiguren mit tanzend erhobenen Armen und Vogelgesicht. Außerdem wurden vor einigen Jahren im oberägyptischen Hierakonpolis Tonmasken entdeckt. Das deutsche Archäologenteam verweist auf Übereinstimmungen mit den Felsenbildern von Qubet el Hawa.

Möglicherweise könnten die 6.000 Jahre alten Felsbilder also ein Bindeglied zwischen dem vorderorientalischen und eventuell sogar südeuropäischen Neolithikum und der altägyptischen Kultur sein. Morenz dazu: "Damit eröffnen sich neue Horizonte für die Forschung." (red, 23. 3. 2017)

  • Ein Laie muss genau hinschauen, um die 6.000 Jahre alten Felsgravuren zu erkennen.
    foto: david sabel

    Ein Laie muss genau hinschauen, um die 6.000 Jahre alten Felsgravuren zu erkennen.

  • Die Szene etwas deutlicher gemacht: Zu sehen sind ein Jäger mit Bogen (rechts), ein möglicherweise tänzelnder Mann mit Vogelmaske (links) und in der Mitte ein Strauß.
    illustration: david sabel

    Die Szene etwas deutlicher gemacht: Zu sehen sind ein Jäger mit Bogen (rechts), ein möglicherweise tänzelnder Mann mit Vogelmaske (links) und in der Mitte ein Strauß.

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