Matthias Naske: Abheben mit Vielfalt

22. März 2017, 17:46
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Der Chef des Konzerthauses über sein Programm

Wien – Unter den qualitätsvollen Programmen, die das Wiener Konzerthaus in der kommenden Saison präsentiert, dürfte eine kleine Uraufführung ironisch herausstrahlen. Das Wienerliedduo Die Strottern, das zu den Porträtkünstlern der kommenden Saison zählt (wie auch Michael Schade, Cuarteto Casals, Barbara Hannigan, Antoine Tamestit und Daniil Trifonov), wird ein Auftragslied schreiben – über das angespannte Subventionsverhältnis der Stadt Wien zum Konzerthaus.

Möglich, dass darin Matthias Naske, Chef des Konzerthauses, vorkommt, er hadert ja sichtlich mit der Beziehung zum Subventionsgeber: "Das Publikum trägt uns – die Stadt Wien ist es nicht. Zwölf Prozent öffentliche Unterstützung sprechen doch für sich, der europäische Durchschnitt beträgt 45 Prozent. Das Jammern ist für mich nicht so lustig. Aber ich frage mich schon: Warum wacht die Politik nicht auf, und was will sie eigentlich?"

Ja, er ist frustriert, besonders über die Stadt Wien. Aber der Eigendeckungsgrad von rund 88 Prozent zeugt natürlich auch von guter Arbeit, davon, dass das Programm des Konzerthaues immer besser angenommen wird. Rund 560 Eigenveranstaltungen und 59 Abozyklen werden 2017/18 angeboten, eine Sonderstellung hat dabei quasi Dirigent Teodor Currentzis, der einen eigenen, sehr bunten Zyklus zwischen Barock und Moderne gestaltet. Dessen Videobotschaft ("Das Konzerthaus ist das avantgardistischste Konzerthaus in Europa") will Naske nichts hinzufügen, außer heiter, dass man für diese natürlich "nichts bezahlt" habe.

Neben der Qualität der Vielfalt existiert aber auch das ganz konzentrierte monothematische Angebot, das sich zur Vertiefung der anderen Art anbietet. Das Ensemble Cuarteto Casals wird alle Beethoven-Streichquartette spielen (16. und 25. 2. 2018). Alle neun Symphonien Beethovens wiederum geben die Wiener Symphoniker, die Naske wegen ihres Niveaus lobt. Dass dieses Projekt schon im Musikverein zu erleben ist, beunruhigt Naske nicht: "Es gibt genug Leute in dieser Stadt, die sich interessieren – daher rührt auch der Charme, hier zu arbeiten." Im Jazzbereich setzt man auf etablierte Bekannte: Es gastieren unter anderem Sängerin Diana Krall (18.9.) oder Chick Corea (23.11.) ebenso wie Wynton Marsalis (30.1.2018). Zu hören sind auch aus heimischer stilflexibler Küche die Formationen Federspiel, Mnozil Brass (neues Programm) oder Franui. Aus New Yorker reist dann aber auch die fulminante Multikultitruppe Red Baraat an.

Naske will mit dem Programm "Musik zum Teil des Lebens der Leute machen". Außerdem will er grundsätzlich "in einer Gesellschaft leben, in der Vielfalt als Qualität anerkannt wird". Sein Programm trägt wohl dazu bei. (Ljubisa Tosic, 22.3.2017)

  • Matthias Naske wundert sich über die  Stadt Wien.
    foto: apa/georg hochmuth

    Matthias Naske wundert sich über die Stadt Wien.

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