Aktienmärkte: Wie man der Börse die Zähne zieht

25. März 2017, 10:00
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Berührungsängste bei Aktien sind unter sicherheitsbedürftigen Anlegern weit verbreitet. Dabei lassen sich viele Risiken verringern

Wien – Zu riskant und unsicher, schon zu teuer oder gar auf Allzeithoch – gängige Argumente von Skeptikern, die scheinbar gegen einen Einstieg in die Aktienmärkte sprechen. Dabei locken diese laut Experten auf lange Sicht mit den höchsten Erträgen der klassischen Anlageformen. Wer sich nicht weiterhin mit Sparbuchzinsen in homöopathischen Dosen abfinden will, sollte sich folgende Grundsätze der Aktienanlage vergegenwärtigen.

· Timing des Einstiegs Der optimale Einstiegszeitpunkt lässt sich immer erst im Nachhinein bestimmen. Als "reines Glück" empfindet daher Robert Karas, Leiter des Asset-Managements der Schoellerbank, wenn man tatsächlich den mittelfristig tiefsten Punkt eines Index oder einer Aktie für den Einstieg trifft. Das ist aus seiner Sicht auch gar nicht nötig, denn: "Um attraktive Renditen zu erzielen, muss man nicht den Tiefpunkt erwischen."

Das sieht Wolfgang Habermayer, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Merito Financial Solutions, ähnlich. Er rät Einsteigern, zunächst nur ein Drittel des für Aktien bestimmten Kapitals zu investieren – und im Abstand von jeweils einigen Monaten die anderen zwei Drittel zu veranlagen. Dadurch könne sich der Anleger einen Mischkurs sichern, was das Risiko senke, durch Zufall zum Höchstkurs einzusteigen.

· Langfristig veranlagen Sollte dies doch passieren, hilft in der Regel ein langfristiger Anlagehorizont. Wer in den US-Index S&P 500 etwa vor zehn Jahren – damals auf Rekordniveau und unmittelbar vor der Finanzkrise – eingestiegen ist, hat den in der Spitze rund 50-prozentigen Kursrückgang nicht nur längst ausgebügelt (siehe Grafik), sondern inzwischen 63 Prozent Kursgewinn eingefahren. Das ist fast genauso viel, wie ein Sparbuch mit fünfprozentiger Verzinsung im selben Zeitraum eingebracht hätte. Inklusive Dividendenzahlungen hat der Index klar die Nase vorn.

· Breite Streuung Dass Aktien langfristig steigen, trifft zwar meistens zu, aber nicht immer. Der Wiener ATX liegt mehr als 40 Prozent unter seinem Hoch des Jahres 2007, und der japanische Nikkei-Index hat seinen Rekord des Jahres 1990 seither nicht mehr gesehen. Möglichst breit streuen lautet Habermayers Lösungsansatz. Indem man etwa in den Weltindex MSCI World investiert, macht man sich von einzelnen Märkten weitgehend unabhängig. Dabei hält Habermayer passive Indexfonds (ETF) für das geeignete Anlagevehikel: "Einen Index zu kaufen ist für Privatanleger das ideale Instrument." Im Unterschied zu Einzelaktien könne ein Index nicht insolvent werden und damit auf null fallen.

· Emotionen ausblenden "Rückschläge an den Börsen sind etwas völlig Normales", betont Schoellerbank-Experte Karas. "Als Anleger muss man damit leben." Wer es nicht durchstehe, zwischenzeitlich im Minus zu liegen, läuft aus seiner Sicht Gefahr, aus Angst zu tiefen Kursen zu verkaufen.

"Über die Zeitachse sind Aktien wichtig, weil es der einzige Bestandteil ist, mit dem man derzeit Geld verdienen kann", fasst Habermayer zusammen. Bei der Geldanlage auf Aktien zu verzichten sei daher nicht vernünftig. (Alexander Hahn, 25.3.2017)

  • Bereits gestiegene Kurse sind für Experten kein Grund, den Aktienmärkten fernzubleiben.
    foto: apa/afp/bryan r. smith

    Bereits gestiegene Kurse sind für Experten kein Grund, den Aktienmärkten fernzubleiben.

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