Schädlinge im Garten: Eiskalt erwischt

    Kolumne28. März 2017, 14:41
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    Der vergangene Winter war recht frostig. Jetzt heißt es auf die Selbstheilungskraft seines Gartens vertrauen, meint Gregor Fauma

    Es war kalt. Es war bitterkalt, und das über Wochen hinweg. Wer in den vergangenen Jahren meinte, es gebe keine echten Winter mehr, wurde diesen eines Besseren belehrt.

    Für den Gartler und die Gärtnerin waren es keine einfachen Wochen. Angefeuert von den letzten milden Wintern, ließen sie auch dieses Jahr jene Pflanzen im Freien, die mit einem Temperaturspektrum von minus fünf bis plus fünf Grad Celsius gut zurechtkommen. Den Oleandern war es auf jeden Fall zu kalt, sie zogen es vor zu sterben. Die Engelstrompeten konnten noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, die Dattelpalme folgte hingegen den Oleandern nach. Bitter.

    Verärgert über die Verluste können sich Gartlerin und Gärtner ein Lächeln dennoch nicht verkneifen, wenn sie an die Schädlinge denken. Denn auch diese kämpfen natürlich mit der eisigen Luft. Viele Schädlingslarven sind so tief in die Erde vergraben, dass normal kalte Winter ihnen nichts anhaben können. Ein Winter wie dieser hingegen streckte sein todbringendes Frosthanderl auch in die tieferen Erdschichten.

    Schaden und Nutzen

    Schädlinge dürfte es dieses Frühjahr weniger geben. Fein, denkt sich der Gartler. Na ja, denkt sich die Gärtnerin. Denn was dem Schädling schadet, nützt auch dem Nützling nicht. Natürlich leiden und sterben die Nützlinge im Garten genauso wie die Schädlinge. Und mit ein bisserl Pech sind die Schädlinge eine Spur geschickter im Umgang mit dem Dauerfrost.

    So findet der entrüstete Gartler jede Menge winziger Blattläuse auf seinen Rosentrieben, und die wirken recht lebendig. Der Blattläuse natürliche Feinde konnte er noch nicht ausmachen – no Ohrenschlürfer, much cry! Gemeinsam ist ihnen allen die Hoffnung, dass der Übelste aller Schädlinge, der Rüsselkäfer, zumindest in wärmere, südlichere Gefilde gezogen ist.

    Natürlicher Frostschutz

    Den Nacktschnecken ist die Kälte in der Regel egal, sie sind in Wahrheit lebende Frostschutzmittel, denen ein Winter wie dieser nichts anhaben kann. Nicht so die Nachzucht! Die Eier der Nacktschnecken sind für diese Temperaturen zu klein dimensioniert, und so stirbt Nacktschneckenei für Nacktschneckenei für Nacktschneckenei. "Ei, ei", entweicht es der Gartlerin und dem Gärtner bei diesem Gedanken.

    Die Saukälte war für die meisten Pflanzen eine ziemliche Herausforderung, und so manche hat das Zeitliche gesegnet. Andererseits weiß der ausgeschlafene Biologe, dass ein funktionierendes Ökosystem immer wieder eine Störung oder Katastrophe braucht, um danach neu durchstarten zu können.

    Fein für jene Gärten, die ökologisch konzipiert sind – Pech für jene, die rein nach ästhetischen Kriterien gestaltet wurden. (Gregor Fauma, RONDO, 28.3.2017)

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    Tipp zum Winterschluss:

    Wenn es mehrere Tage taut und der Boden wieder durchlässig wird, darf auf das Gießen nicht vergessen werden. Zum Ende des Winters verdursten mehr Pflanzen, als sie erfrieren.

    • Die Saukälte war für die meisten Pflanzen eine ziemliche Herausforderung, und so manche hat das Zeitliche gesegnet.
      illustration: dennis eriksson

      Die Saukälte war für die meisten Pflanzen eine ziemliche Herausforderung, und so manche hat das Zeitliche gesegnet.

    • Der Nacktschnecke ist der Winter meist egal, doch die Nachzucht mag große Kälte gar nicht.
      foto: apa/dpa/pleul

      Der Nacktschnecke ist der Winter meist egal, doch die Nachzucht mag große Kälte gar nicht.

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