Kern: Kreuze sollen im Gerichtssaal bleiben

21. März 2017, 16:58
223 Postings

Der Bundeskanzler meint beim Religionsgipfel, dass die Bekleidungsvorschriften ausreichen, Initiativen gegen das Kreuz lehnt er ab

Wien – Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) hat Vorstößen für eine Verbannung religiöser Symbole aus den Gerichtssälen eine Absage erteilt. Schon jetzt gebe es Bekleidungsvorschriften, "die Debatte sollte hier haltmachen", sagte er nach dem Religionsgipfel mit den Vertretern der Glaubensgemeinschaften am Dienstag im Kanzleramt.

Zuletzt hatten die Richtervereinigung sowie die Neos eine vollständige Verbannung religiöser oder weltanschaulicher Symbole aus dem Gerichtssaal verlangt. Kern findet jedoch nicht, dass dies Gegenstand einer Gesetzesinitiative werden sollte. Ein Bekenntnis gab es allerdings zum geplanten Verbot der Vollverschleierung. Es sei eine Missinterpretation von Toleranz, wenn Frauen in weiten Teilen nicht an der Gesellschaft teilnehmen könnten, meinte der Kanzler.

Muslime müssen Beitrag leisten

Von den Muslimen in Österreich forderte Kern ihren Beitrag zur Integration. Einen Beitrag zur Bekämpfung extremistischer Tendenzen erwartet sich der Kanzler von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Etwa gegen Salafisten: "Ich halte das für eine faschistische Ideologie." IGGiÖ-Präsident Ibrahim Olgun war zwar auch beim Religionsgipfel im Kanzleramt, das Schlussstatement war jedoch Kern, Duzdar und Schönborn vorbehalten. Die Staatssekretärin war es dann auch, die betonte, wie wichtig die Trennung von Kirche und Staat in Österreich sei.

Zunehmende Islamfeindlichkeit

Der schon traditionelle interreligiöse Dialog im Kanzleramt beschäftigte sich auch mit der zunehmenden Islamfeindlichkeit im Land, die am selben Tag durch den Integrationsbarometer attestiert worden war. Kern sowie Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) bezeichneten Muslime als wichtigen Teil der Gesellschaft, der Tendenz müsse man daher entgegenwirken. "Wir dürfen nicht vermitteln, dass sie Menschen zweiter Klasse sind", warnte der Kanzler daher.

Auch Kardinal Christoph Schönborn betonte die Wichtigkeit der Religionsfreiheit. "Es ist gut, dass es in diesem Land verschiedene Religionsgemeinschaften gibt", sagte er und fügte hinzu: "Wir brauchen Vielfalt."

Der Wiener Erzbischof betonte, dass es sich bei Religionen letztlich immer um Menschen handle, die sich begegneten. "Ich warne davor, dass wir der Neigung, dem abschüssigen Hang nachgeben, einander schlechtzumachen", sagte der Kardinal.

Keine Toleranz für Erdoğan

Keine Toleranz will Bundeskanzler Kern allerdings bei möglichen Wahlkampfauftritten des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan walten lassen. In der Diskussion um mögliche Versammlungsverbote gehe es nicht um antitürkische Politik. Vielmehr müsse man differenzieren, denn: "Wenn demokratische Rechte genützt werden, um in anderen Ländern die Demokratie abzuschaffen, dann ist für mich der Punkt gekommen, dass ich das nicht mehr akzeptieren kann." (APA, 21.3.2017)

  • Religionsgipfel im Kanzleramt.
    foto: andy wenzel

    Religionsgipfel im Kanzleramt.

    Share if you care.