Spaniens vergessene Entdeckungsfahrten im Pazifik

26. März 2017, 16:28
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Forscher untersuchten auf einer taiwanesischen Insel die Überreste einer spanischen Kolonie aus dem 17. Jahrhundert

Konstanz – Auf ein weitgehend vergessenes Kapitel der europäischen Kolonialgeschichte weist die Universität Konstanz hin: Im Südseeraum gelten die Entdeckungsfahrten James Cooks im 18. Jahrhundert als prägendes Ereignis – nicht zuletzt deshalb, weil auf die Entdeckung schon bald die Inbesitznahme folgte. Doch andere Europäer waren lange vor Cook im Pazifik unterwegs.

Gescheiterte Versuche, Fuß zu fassen

Es ist bekannt, dass Spanien – angefangen mit dem Portugiesen Ferdinand Magellan, der im Auftrag der spanischen Krone segelte – den pazifischen Raum bereits im 16. und 17. Jahrhundert erkunden ließ. Bisher hätten Forscher dieser Tatsache aber nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, so die Uni Konstanz. Dies habe dazu geführt, dass anthropologische, historische und archäologische Erkenntnisse über diese Periode "erster Globalisierung" im pazifischen Raum weitgehend fehlten.

Ein Forschungsteam unter der Leitung von María Cruz Berrocal untersuchte eine ehemalige Ansiedlung auf der kleinen Insel Heping Dao im Norden Taiwans. Bereits seit 2011 wurden dort Grabungen durchgeführt, die reiche archäologische Funde zutage förderten. Sie zeigen laut der Forscherin, dass diese Kolonie einstmals mit den gleichen hohen Ansprüchen gegründet wurde wie dauerhaftere Ansiedlungen in den Amerikas. Weil aber der Versuch, nachhaltig im Pazifikraum Fuß zu fassen, scheiterte, habe die Geschichtsschreibung im Nachhinein fälschlicherweise angenommen, dass Taiwan damals nur eine marginale Rolle spielte.

Geschichte einer vergessenen Kolonie

"San Salvador de Isla Hermosa" wurde 1626 als spanische Kolonie auf Heping Dao gegründet und später durch die Niederländer eingenommen. Es folgten die Annexion durch die Chinesen sowie die japanische Besetzung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

Spanier bewohnten die Siedlung von 1624 bis 1642. Die Archäologen legten Fundamente aus dieser Ära frei, die zu einer Kirche oder einem christlichen Konvent gehörten, und entdeckten auch den dazugehörigen Friedhof. "Die Funde zeigen, dass diese Kolonie keine marginale Rolle spielte. Taiwan war ein Knotenpunkt in den Handelsbeziehungen des Pazifikraums und damit auch Zentrum vielfältiger Kontakte", sagt Cruz Berrocal.

Die Grabungen – die letzte fand von September bis November 2016 statt – legten sechs Erdbestattungen und andere menschliche Überreste im Bereich der Kirche frei. Unter anderem fanden die Archäologen ein Skelett mit zum Gebet gefalteten Händen. "Es gibt keine europäischen Bestattungen im gesamten asiatisch-pazifischen Raum aus dieser Zeit, das hier sind die ersten dokumentierten Überreste. Auch die koloniale Begräbnisstätte, die wir gefunden haben, ist die älteste, die in dieser Region ausgegraben wurde", so die Grabungsleiterin.

"Früher Knotenpunkt der Globalisierung"

Laut Isotopen-Analysen handelt es sich um die sterblichen Überresten von Menschen, die sehr wahrscheinlich aus Europa und Asien, vielleicht auch aus Afrika stammten. Da diese Menschen mit der einheimischen Bevölkerung auf Heping Dao zusammenlebten, sei es wichtig, dort weiter zu forschen, um die Auswirkungen von europäischer Kolonialisierung auf diese Bewohner zu erfassen. "Die Ergebnisse zeigen, dass wir es hier mit einem der frühen Knotenpunkte der Globalisierung zu tun haben", so Cruz Berrocal abschließend. (red, 26. 3. 2017)

  • Relikt aus einem vergessenen Kapitel der Kolonialgeschichte: Dieses Skelett mit zum Beten gefalteten Händen aus dem 17. Jahrhundert ist die älteste Dokumentation einer europäischen Begräbnisstätte im asiatisch-pazifischen Raum.
    foto: universität konstanz

    Relikt aus einem vergessenen Kapitel der Kolonialgeschichte: Dieses Skelett mit zum Beten gefalteten Händen aus dem 17. Jahrhundert ist die älteste Dokumentation einer europäischen Begräbnisstätte im asiatisch-pazifischen Raum.

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