Bierpreisbremse für die Wiesn lässt in Bayern die Wogen hochgehen

21. März 2017, 14:49
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10,70 Euro soll die Maß kosten dürfen. Mehr nicht. Die mögliche Bierpreisobergrenze stößt einigen sauer auf

München – Begonnen hat alles im Februar. Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU), Stellvertreter von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), hatte damals mit der Idee sympathisiert, zum ersten Mal seit Jahren den Bierpreis auf dem Oktoberfest zu deckeln. Nach seinen Plänen soll die Maß bis einschließlich 2019 höchstens 10,70 Euro kosten dürfen, der Höchstpreis von vorigem Jahr.

Hintergrund ist, dass der CSU-Politiker befürchtet, die Wirte könnten die gestiegene Pacht für ihre Bierzelte auf die Besucher umlegen. Der Wiesn-Chef hat neben der Bierpreisbremse gleich ein ganzes Maßnahmenpaket vorgelegt. Die Wirte will er künftig statt mit einer Platzmiete mit einer Umsatzpacht zur Kasse bitten. Davon erhofft er sich Mehreinnahmen in Millionenhöhe, mit denen er wiederum die zusätzlichen Ausgaben der Stadt für Sicherheitsmaßnahmen wegen der Terrorgefahr finanzieren möchte – von immerhin fünf Millionen Euro ist die Rede. Um den Wirten entgegenzukommen, hat Schmid vorgeschlagen, die Wiesn um einen Tag zu verlängern. Der Wirtschaftsausschuss will im Mai über die Pläne entscheiden.

Angst um das Ansehen der Stadt

Die Wirte protestieren nicht unerwartet gegen die Pläne. Wirtesprecher Toni Roiderer warnte vor einem "Machtdiktat". Oberbürgermeister Reiter wusste von den Plänen offenbar nichts und war davon auch nicht angetan. Was ihm vor allem Sorgen macht, ist das Ansehen der Stadt. Genau diesem schade der Streit, der öffentlichkeitswirksam in den Boulevardmedien ausgetragen wird, sagte Reiter laut einer Mitteilung des Rathauses. Vor allem die Art und Weise, wie er ausgetragen werde, sei "unwürdig". Er habe Schmid aufgefordert, "unverzüglich alle Beteiligten zu einem sachlichen Gespräch an den Tisch zu holen". Ein "Bierpreisdeckel" dürfe auf keinen Fall dazu führen, dass die Wiesn-Besucher, insbesondere Familien, in den Zelten bei alkoholfreien Getränken und beim Essen stärker abkassiert werden. Schmid konterte sinngemäß, dass er auf solche Ratschläge gerne verzichten könne – auf die Gesprächsidee sei er selbst auch gekommen.

Persönliche Angriffe

Nun hat der Streit eine neue Eskalationsstufe erreicht. Schmid soll ein für Mittwoch geplantes Gespräch mit den Wirten abgesagt haben. Anlass waren Äußerungen von Wirtesprecher Roiderer in der "Abendzeitung" vom Dienstag. Unter anderem hatte Roiderer darin dem Wirtschaftsreferenten vorgeworfen, "despotisch" zu sein.

"Als Leiter des Referats für Arbeit und Wirtschaft geht es mir vor allem darum, eine sachliche und ernste Diskussion zur Reform des Münchner Oktoberfestes zu führen", teilte Schmid mit. "Mit persönlichen Angriffen auf mich als Repräsentanten der Landeshauptstadt München hat der Wirtesprecher diese Basis verlassen."

Besonders schürte offenbar den Zwist, dass Roiderer den Wiesn-Chef dem Bericht zufolge einen "Komiker" nannte. Roiderer sagte auf Anfrage, er distanziere sich von dieser Äußerung. Die Zeitung teilte jedoch mit, sie bleibe bei ihrer Darstellung. Roiderer betonte, die Wirte suchten weiter das Gespräch, um eine Lösung zu finden, "wie wir aus dieser Sackgasse herauskommen". (dpa, red, 21.3.2017)

  • Das Oktoberfest sorgt bereits jetzt für heftiges Rascheln im bayerischen Blätterwald. Dabei ist noch nicht ein Tropfen Bier geflossen.
    foto: reuters/bensch

    Das Oktoberfest sorgt bereits jetzt für heftiges Rascheln im bayerischen Blätterwald. Dabei ist noch nicht ein Tropfen Bier geflossen.

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