Abe unter Druck: Skandal um "patriotischen Kindergarten" in Japan

20. März 2017, 17:54
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Rechte Betreuungseinrichtung, die Namen des Premiers tragen sollte, bekam Grund billiger

Als Japans Premierminister Shinzo Abe gestern, Montag mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel über die Technologiemesse Cebit in Hannover schlenderte, konnte er damit für ein paar Stunden dem ersten handfesten Skandal seiner vierjährigen Amtszeit entkommen.

Darin ist der innerste Zirkel von Abe verwickelt: seine Ehefrau Akie, Verteidigungsministerin Tomomi Inada und Finanzminister Taro Aso. Stein des Anstoßes ist die Unterstützung eines Betreibers von ultranationalistischen Kindergärten in Osaka namens "Moritomo Gakuen".

Schnelles Dementi

Abe hatte im Parlament seinen Rücktritt versprochen, falls er in ein dubioses Immobiliengeschäft zugunsten des Betreibers verwickelt sei. Doch vergangene Woche enthüllte der Kindergartenleiter Yasunori Kagoike, Abes Frau habe der Einrichtung eine Million Yen (8.200 Euro) gespendet. Kabinettsprecher Yoshihide Suga dementierte dies umgehend. Auf dem Einzahlungsbeleg ist jedoch zu erkennen, dass der Name Shinzo Abe zuerst eingetragen und dann überschrieben wurde.

Bisher hatte der konservative Regierungschef es immer geschafft, seine Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen im Dunkeln zu halten. Doch der Kindergartenleiter ist ein führendes Mitglied der Schattenorganisation Nippon Kaigi (Japan-Konferenz), die den "Ruhm" des früheren japanischen Kaiserreichs wiederherstellen will. Viele Minister gehören Nippon Kaigi an. Abe selbst soll Sympathisant sein. Dies lässt sich kaum noch verbergen, seitdem seine Frau eingewilligt hatte, Ehrendirektorin der neuen Grundschule zu werden, die der Kindergartenbetreiber im April eröffnen will. Die Schule sollte den Namen von Shinzo Abe tragen.

Öffentliche Förderung

In einer Rede hatte Frau Abe den Erziehungsstil von "Moritomo Gakuen" gelobt. Dort müssen die drei- bis fünfjährigen Kinder das kaiserliche Erziehungsedikt von 1890 auswendig lernen. Es verlangt, sein Leben für den japanischen Staat zu opfern. Das Edikt wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA in Japan als eine Ursache für den japanischen Imperialismus verboten.

Der Kindergartenbetreiber hatte für die Grundschule auch öffentliches Land mit einem Preisnachlass von 90 Prozent erhalten. Angeblich war eine Bodenkontaminierung der Grund für den niedrigen Kaufpreis. Die Opposition reibt sich bereits die Hände: Am Donnerstag wird Kagoike im Parlament unter Eid befragt. (Martin Fritz aus Tokio, 20.3.2017)

  • Yasunori Kagoike (Bild) steht im Zentrum des Skandals.
    foto: reuters / kyodo

    Yasunori Kagoike (Bild) steht im Zentrum des Skandals.

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