Schlagabtausch um Arbeitsinspektoren: Stoppt den Waxing-Krieg

Kommentar20. März 2017, 17:04
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Die öffentliche Erregung nützt weder der Unternehmerin noch ihren Mitarbeitern – und schon gar nicht dem Wirtschaftsstandort

Der Arbeitsinspektor ist für Geschäftsleiter meist kein gern gesehener Besucher. Tatsächlich sind viele der Vorschriften im Arbeitnehmerschutzgesetz praxisfern und zu streng. Dennoch ist es wichtig, dass es die Institution gibt: Österreichs Betriebe wären ungemütlicher, ungesünder und gefährlicher, wenn man auf die Interessen der Arbeitnehmer nicht so genau schauen würde.

Nützlich wäre eine gezielte und maßvolle Entrümpelung der Regeln sowie Arbeitsinspektoren, die mehr beraten und weniger strafen. Genau das hat die Koalition in ihrem jüngsten Arbeitsprogramm vereinbart.

Doch die öffentliche Debatte wird seit Wochen vom Fall der "Waxing-Lady" Katja Wagner dominiert, die sich publikumswirksam als Opfer übereifriger Inspektoren inszeniert – und dies vielleicht auch ist.

Rundherum ist ein Stellvertreterkrieg entbrannt, der jeden konstruktiven Dialog verhindert. Der Wirtschaftsminister nutzt einen Besuch in ihrem Kosmetiksalon, um die Arbeitsinspektoren vorzuführen. Im Gegenzug wettern Sozialministerium, Arbeiterkammer und Gewerkschaft gegen Frau Wagner und stellen sie als Rechtsbrecherin und Ausbeuterin an den Pranger.

Die öffentliche Erregung nützt weder der finanziell angeschlagenen Unternehmerin noch ihren Mitarbeitern – und schon gar nicht dem Wirtschaftsstandort. Der braucht kluge Reformen statt gehässiger Polemik. (Eric Frey, 20.3.2017)

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