Rugby: Widerstand bringt Fusionsprojekt zu Fall

    19. März 2017, 20:28
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    Die Präsidenten der Traditionsvereine Racing 92 und Stade Français geben nach Protesten von Spielern und Anhängern ihre Vision vom Superklub auf

    Paris/Wien – War plötzlich da und ist schon wieder weg: die Fusion der Pariser Traditionsklubs Racing 92 und Stade Français, die erst vor wenigen Tagen verkündet worden war und Frankreichs Rugby in seinen Grundfesten zu erschüttern drohte, wird nun es nun doch nicht geben.

    Am Sonntag veröffentlichte Racings Präsident Jacky Lorenzetti auf der Klub-Website ein entsprechendes Statement in dem es heißt: "Ich habe entschieden, dieses wunderbare Projekt aufzugeben." Offenbar hat rasch aufgeflammter Widerstand gegen das Zusammengehen des regierenden französischen Meisters mit seinem Vorgänger den Immobilien-Unternehmer dazu bewogen, den mehr oder weniger geordneten Rückzug anzutreten

    Als Lorenzetti gemeinsam mit Stade-Patron Thomas Savare sein Konzept zur "Konzentration der Kräfte" präsentierte, stießen die beiden die gesamte französische Rugby-Community vor den Kopf. Niemand war eingeweiht, niemand konsultiert worden, keiner verstand diesen in der Sportwelt beispiellosen Vorgang. Der Fassungslosigkeit folgte Aufbegehren: Spieler und Anhänger organisierten gemeinsamen Protest, die Stade-Profis riefen einen unbefristeten Streik aus. Für sie stellte sich das "schöne Projekt" viel eher als feindliche Übernahme dar. Unter anderem marschierte man vor dem Sitz des Ligaverbandes LNR auf, der die Profi-Staffeln Top 14 und Pro D2 organisiert.

    Die für Samstag angesetzt gewesenen Meisterschaftsmatches beider Vereine fanden nicht statt. Kritik kam auch von Frankreichs Rugby-Verband und der Pariser Bürgermeisterin. Er habe nicht mit so großer interner Opposition gerechnet, so Lorenzetti in seinem Statement. Keinesfalls habe er Mitglieder der Rugby-Familie gegeneinander aufbringen wollen.

    Savare wiederum, ein Unternehmer, der Stade im Jahr 2011 aus schweren finanziellen Turbulenzen gerettet hatte, wirkt amtsmüde. Er scheint entweder nicht mehr willens oder in der Lage, noch länger Geld in den Verein zu stecken. Wie es mit dem 14-fachen Meister jetzt weitergeht ist offen. Er habe Überraschung und Emotion bei Anhängern und Spielern wahrgenommen, so Savare. Die starke Verbundenheit zu einem unabhängigen Stade Français habe ihn schließlich veranlasst, in Übereinstimmung mit Lorenzetti einen Schlussstrich unter die geplante Fusion zu ziehen.

    Diese hätte mit Beginn der Saison 2017/18 einen Superklub für die Region Île-de-France, den Ballungsraum um Paris, kreieren sollen, der seine Spiele im nagelneuen Veranstaltungskomplex U Arena austragen sollte. Die Errichtung der 320 Millionen Euro teuren Immobilie war von Racing-Boss Lorenzetti vorangetrieben worden und wird in Bälde ihre Tore öffnen.

    Der weitere Fortgang der laufenden Saison allerdings wäre in den Sternen gestanden. Bei einem Andauern des Spielerstreiks und dem daraus folgenden Nicht-Antreten, hätte Stade Français der Ausschluss vom Spielbetrieb gedroht. Der neue Verein wäre außerdem mit einem grotesk übervölkerten Kader von gut 90 Profis dagestanden, von denen sich jeder zweite einen neuen Job hätte suchen müssen. (Michael Robausch, 19.3. 2017)

    • Spieler und Anhänger von Stade Français versammeln sich zu einer Kundgebung im Stadion Jean Bouin in Paris.
      foto: apa/afp/simon

      Spieler und Anhänger von Stade Français versammeln sich zu einer Kundgebung im Stadion Jean Bouin in Paris.

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