Studie über islamische Kindergärten in Wien soll bis Herbst fertig sein

20. März 2017, 12:26
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Auch Erkenntnisse über mögliche salafistische Einflüsse in Kindergärten werden erwartet

Wien – Die großangelegte Untersuchung islamischer Kinderbetreuungseinrichtungen in Wien soll bis Herbst fertig sein. In der Studie „Pluralität in Wiener Kindergärten und Kindergruppen unter besonderer Berücksichtigung islamischer Einrichtungen und muslimischer Kinder“ wird der Umgang mit Heterogenität in Wiener Elementarpädagogischen Einrichtungen untersucht.

Schon die nicht repräsentative Vorstudie von Islamforscher Ednan Aslan hatte gewaltiges Echo und politische Auseinandersetzungen bis auf Bundesebene ausgelöst – der STANDARD berichtete. Er war zu dem Ergebnis gekommen, dass es in Kindergärten salafistische und islamistische Einflüsse gebe. Wörtlich heißt es in der Evaluierung ausgewählter Kindergärten und -gruppen in Wien: "Es ist davon auszugehen, dass salafistische beziehungsweise islamistische Organisationen in der Kinderbetreuung nicht so einfach auf ihre politischen Ziele verzichten können." Religiöse Erziehung und damit in Zusammenhang stehende Wertevermittlung würden besonders hervorgehoben. Vonseiten der islamischen Kindergärten habe es wenig Interesse gegeben, am Forschungsprojekt teilzunehmen, wurde kritisiert.

Positive Grundeinstellung

Die Empfehlung lautete: Es sollte überprüft werden, ob bei Trägervereinen "eine positive Grundeinstellung gegenüber Staat und Gesellschaft vorliegt". Dabei solle es Unterstützung von externen Experten im Bereich der Islamismusforschung geben – denn eine Prüfung durch den Verfassungsschutz reiche hier "bei weitem" nicht aus. Ziel müsse sein, Kindergärten und -gruppen "von islamistischen beziehungsweise salafistischen Trägervereinen zu entkoppeln".

In Wien gibt es laut der Vorstudie von Aslan rund 150 islamische Kindergärten und 450 islamische Kindergruppen, die Zahl der Kinder, die solche Einrichtungen besuchen, wird auf über 10.000 geschätzt. In der Statistik wurden islamische Kindereinrichtungen bisher nicht ausgewiesen; katholische und evangelische schon. In der von der Stadt Wien und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) in Auftrag gegebenen Studie werden erstmals auch islamische Kinderbetreuungseinrichtungen, deren Betreiber und Trägervereine beschrieben. (simo, 20.3.2017)

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels waren von der Stadt Wien und vom Integrationsministerium ursprünglich genannte Mitglieder des Autorenteams aufgelistet. Die Zusammensetzung der Fachteams hat sich aber inzwischen geändert: Nina Hover-Reisner, Maria Fürstaller (FH Campus Wien), Elif Medeni, Christian Andersen, Henning Schluß (Institut für Bildungswissenschaft), Ednan Aslan (Universität Wien). (red)

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