Hoteliers wollen mehr für den Gast arbeiten, weniger für den Staat

20. März 2017, 06:00
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Die höheren Steuer auf Logis schwächt die Branche, weil die Belastung nur teilweise in höheren Übernachtungspreisen untergebracht werden konnte

St. Johann im Pongau – Im Zeitalter von Internet, Preisvergleichen und intensivem Informationsaustausch über soziale Medien wird es auch im Tourismus immer schwieriger, kurzfristig und dauerhaft höhere Preise durchzusetzen. Was heimische Hoteliers schon vor der angekündigten Anhebung des Mehrwertsteuersatzes auf Logis per April 2016 befürchtet hatten, dürfte tatsächlich eingetreten sein: Die Mehrzahl der Betriebe hat den Sprung von zehn auf 13 Prozent in den ersten Monaten seit Inkrafttreten der Steuererhöhung nur teilweise in höheren Übernachtungspreisen untergebracht.

"Etwa 150 Millionen hat die Branche selbst schlucken müssen – zulasten der ohnedies schwachen Ertragskraft," sagte die Obfrau des Fachverbands Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich, Petra Nocker-Schwarzenbacher, am Wochenende bei einem Tourismusseminar in St. Johann im Pongau. Wegen des starken Wettbewerbdrucks werde es wohl "drei bis fünf Jahre" dauern, bis die Mehrbelastung in Form höherer Übernachtungspreise weitergereicht sei.

Nocker-Schwarzenbacher verwies dabei auf Bayern. Mit Anhebung des Steuersatzes auf 19 Prozent habe die dortige Tourismusbranche von 2004 bis 2009 einen Nächtigungsrückgang von 19 Prozent hinnehmen müssen. Nach Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf sieben Prozent per 1. Jänner 2010 habe es fünf Jahre gedauert, um auf denselben Stand zu kommen wie vorher.

Hoher Steuersatz im EU-Vergleich

Österreich liegt mit einer Steuer von 13 Prozent auf Hotelübernachtungen im Spitzenfeld. Nachbarländer wie Italien (zehn Prozent) oder Deutschland (sieben Prozent) liegen um einiges, die Schweiz (3,8 Prozent) deutlich darunter.

"Völlig an der Realität vorbei" sei auch die Verlängerung der Abschreibungsdauer betriebsnotwendiger Immobilien von 33 auf 40 Jahre. Der Hotelbetrieb, der konkurrenzfähig bleiben wolle, müsse in viel kürzeren Abständen reinvestiert. Mit der Investitionszusatzprämie und der Aufhebung des Verbots, Onlineplattformen wie booking.com auf der hoteleigenen Homepage preislich zu unterbieten (Bestpreisklausel), werde die steuerliche Mehrbelastung jedenfalls nicht kompensiert. Zudem würden die Verwaltungskosten immer höher. Nocker-Scharzenbacher. "Wir nähern uns einer Überdosis an Bürokratie."

Verhaltenes Stimmungsbild

Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria untermauert diesen Befund mit einem Stimmungsbild aus der Branche. Einer repräsentativen Umfrage zufolge, die im Februar unter 200 Tourismusbetrieben mit mehr als zehn Beschäftigten durchgeführt wurde, sagten 82 Prozent, die Anzahl der Gesetze und Verordnungen steige ständig. 62 Prozent sagten, dass vor allem die Umsatzsteuererhöhung auf Beherbergungsleistungen große Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit habe, 35 Prozent sehen die Registrierkassenpflicht sehr bis eher negativ.

Die Branche habe sich zwar vergleichsweise gut geschlagen; sollten aber die Zinsen steigen und die Energiepreise, die zuletzt ebenfalls zu einer deutlichen Kostenentlastung beigetragen haben, kräftig anziehen, könnten viele Betriebe ernstlich in Schwierigkeiten geraten, sagte Voithofer.

Schwieriger Generationenwechsel

Nocker-Schwarzenbacher verwies zudem darauf, dass in 40 von 100 Hotels im Zeitraum bis 2030 eine Unternehmensübergabe bevorstehe, ein Großteil davon innerhalb der Familie. Für diese Fälle fordert die Tourismusobfrau einen Erlass von Steuern und Gebühren. Andernfalls müsse ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin mit einem Klotz am Bein starten, noch bevor auch nur eine Verbesserungsmaßnahme getroffen worden sei. (20.3.2017)

Die Teilnahme am Tourismusseminar erfolgte auf Einladung des Fachverbands Tourismus- und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich.

  • Die Erhöhung der Umsatzsteuer auf Übernachtungen hat die Tourismusbranche stark getroffen.
    foto: dpa / oliver berg

    Die Erhöhung der Umsatzsteuer auf Übernachtungen hat die Tourismusbranche stark getroffen.

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