Juncker erwartet nach Brexit keine weiteren EU-Austritte

19. März 2017, 08:34
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EU-Kommissionspräsident rechnet mit weiteren Beitritten und hält die Drohungen der Türkei für unglaubwürdig

Brüssel – EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erwartet nach dem Brexit keine weiteren Austritte aus der EU, sondern vielmehr einen Ausbau der Union. "Am Beispiel Großbritannien werden alle sehen, dass es sich nicht lohnt auszutreten", sagte der Luxemburger der "Bild am Sonntag". Die übrigen Mitgliedsstaaten würden stattdessen das Eheversprechen mit der Europäischen Union erneuern, sagte Juncker.

Bei einem Gipfeltreffen am Samstag in Rom wollen die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten ohne Großbritannien eine Erklärung verabschieden, die die Richtung für die Arbeit in den kommenden zehn Jahren vorgeben soll. Anlass des Gipfels ist der 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge, mit denen die Grundlage für die EU gelegt wurde.

Erwartet weitere Beitritte

Wenige Tage vor dem Geburtstagsgipfel kritisierte Juncker nationalstaatliche Tendenzen in der EU. Er habe den Eindruck, dass es immer weniger Vollzeiteuropäer und immer mehr Teilzeiteuropäer gebe. "Die Teilzeiteuropäer nehmen von Europa das, wovon sie denken, dass es ihnen zustünde. Sie tragen aber nichts dazu bei, dass es überhaupt etwas zu verteilen gibt."

Die Zukunft der EU bewertete Juncker allerdings positiv. Er erwarte weitere Beitritte zur EU, wenn auch nicht mehr in seiner bis 2019 laufenden Amtszeit. Zurzeit erfülle keiner der Kandidaten die Bedingungen. Was den Beitritt der Türkei betreffe, so werde dieser nicht am mangelnden Willen der EU-Mitglieder scheitern, "sondern an der Lustlosigkeit der Türken, europäische Standards einzuführen".

Drohungen der Türkei unglaubwürdig

Die Drohungen der Türkei mit einem Ende des EU-Flüchtlingspakts hält Juncker für unglaubwürdig. "Die Türkei wird dieses Abkommen nicht aufkündigen", sagte Juncker der "Bild am Sonntag". "Ich bin diesen Drohungen entwachsen."

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und andere türkische Politiker hatten zuletzt aus Ärger über die EU gedroht, die vor einem Jahr geschlossene Vereinbarung platzen zu lassen. Juncker betonte indes: "Es ist nicht im Interesse der Türkei, dass vor der türkischen Küste Schmugglergangs und Banditen das Heft des Handelns in die Hand bekommen." (APA, Reuters, 19.3.2017)

  • EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht die Zukunft der EU positiv.
    foto: reuters / vincent kessler

    EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht die Zukunft der EU positiv.

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