"Ungezwungener Umgang" mit religiösen Symbolen

17. März 2017, 13:09
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Bischöfe halten Burka für unerwünscht, sind aber gegen Verbot – Langes Warten auf Innsbrucker Bischof "bedauerlich"

Wien/St. Gerold – Österreichs katholische Bischöfe bewerten die Vollverschleierung beziehungsweise das Tragen von Burkas im öffentlichen Raum als gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten. "Aber wir sind gegen ein übertriebenes gesetzliches Verbot", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, zum Abschluss der Frühjahrstagung der Kirchenführer.

Bischöfe für positive Definition

Die Bischöfe schlagen statt eines Verbots eine klare Definition vor, in welchen Fällen das Gesicht offen gezeigt werden muss, etwa vor Gericht oder an Schulen. Für Frauen dürfe es vor allem keinen Zwang zur Verschleierung geben, erklärte Schönborn.

Insgesamt empfiehlt der Wiener Kardinal einen "ungezwungenen Umgang" mit religiösen Symbolen. "Es gehört zum Reiz einer pluralen Gesellschaft, dass Menschen ihre religiöse Zugehörigkeit auch ausdrücken. Der französische Laizismus ist, glaube ich, nicht unser österreichisches Modell. Wir wollen nicht eine Gesellschaft, in der religiöse Zeichen einfach verschwinden."

Wahre Integration rücktt durch Burka-Diskussion in Hintergrund

Die öffentliche Debatte um religiöse Symbole nannte Schönborn "Engführungen", die nur dazu führten, dass die wahren Herausforderungen der Integration in den Hintergrund treten würden.

Thema der jüngsten Bischofskonferenz in St. Gerold in Vorarlberg war auch die von Papst Franziskus angestoßene Frage, ob in Regionen mit Priestermangel nicht sogenannte "Viri probati", das sind "bewährte Männer", die zwar verheiratet sind, aber aufgrund ihres nach katholischen Maßstäben vorbildlich geführten Lebens zu Diakonen geweiht werden können, die Aufgabe von Priestern übernehmen sollten. "Es ist nicht verboten, darüber nachzudenken. Der Papst hat keine konkreten Schritte genannt, Papst Franziskus hat einen Anstoß gegeben. Ob er Österreich gemeint hat, weiß ich nicht. Ich glaube eher nicht."

Positive Argumente für den Zölibat

Die Diskussion habe aber den Vorteil, dass man nun offener über Pro und Kontra in diesem Bereich sprechen kann. "Vielleicht bekommen dadurch auch die positiven Argumente für den Zölibat und für die traditionelle lateinische Praxis mehr Glaubwürdigkeit."

Ein seufzendes "ach ja" entlockten Schönborn Fragen zu den noch immer nicht erfolgten Bischofsernennungen in Österreich. Der Vatikan lässt die Diözesen in Innsbruck und St. Pölten inzwischen seit Monaten auf neue Bischöfe warten, die Erzdiözese Salzburg soll zudem einen neuen Weihbischof erhalten. Vor allem in Innsbruck herrscht inzwischen Unmut über die lange Sedisvakanz.

Schönborn stellte dazu einen von Medien kolportierten Konflikt zwischen ihm, dem Nuntius und dem Präfekten der Bischofskongregation in Rom in Abrede. "Das ist wirklich reine Fantasie. Die Prozedur dauert lang, wenn sie gründlich durchgeführt wird. Dass sie im Falle Innsbruck überdurchschnittlich lang dauert, ist bedauerlich, aber es wird eine Bischofsernennung geben."

Warnung vor "eugenischer Grundhaltung"

Anlässlich des weltweiten Down-Syndrom-Tages am kommenden Dienstag und der an diesem Wochenende in der Steiermark startenden Special Olympics warnten die Bischöfe darüber hinaus vor einer "latent vorhandenen eugenischen Grundhaltung in der Gesellschaft". Mittels Schwangerschaftsuntersuchung und pränataler Diagnose werde heute geradezu nach Kindern mit Trisomie 21 gefahndet, kritisierte Schönborn.

Im französischen Fernsehen sei jüngst sogar ein Clip verboten worden, der die Lebensfreude von Menschen mit Down-Syndrom zum Thema hat, weil dieser betroffene Frauen verstören könnte. Diese Entwicklung sei "zu tiefst bedrohlich und zu tiefst abzulehnen", sagte der Kardinal. "Jedes Leben ist wertvoll, jeder Mensch ist ein Geschenk."

Heftige Kritik seitens der Bischöfe gab es zudem am Regime auf den Philippinen. Die Pläne zur Wiedereinführung der Todesstrafe, die unglaubliche Welle an Polizei-Gewalt und Lynchjustiz gegen Drogendealer, Drogensüchtige und Helfer von Drogensüchtigen drängten das Land an den Abgrund. Die Philippinen drohten zu einem "Reich des Terrors" zu werden, meinte Schönborn. (APA, 17.3.2017)

  • Laizistische Gesellschaft kein Vorbild: Kardinal Schönborn
    foto: apa/punz

    Laizistische Gesellschaft kein Vorbild: Kardinal Schönborn

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