Wiener Sport-und-Fun-Halle: Melancholie bis September

17. März 2017, 06:59
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Ein Jahr lang diente eine Sporthalle als Flüchtlingsquartier, bis zur Wiedereröffnung vergeht ein weiteres

Wien – September 2015. Wien braucht Notquartiere für Flüchtlinge, eine der drei Sport-und-Fun-Hallen, jene hinter dem Ferry-Dusika-Stadion am Rande des Praters, bietet sich an. Aus dem Notquartier wird flott ein Dauerquartier. September 2016. Flüchtlinge und Helfer veranstalten ein kleines Abschiedsfest, die Halle wird geräumt. Im Oktober, heißt es, soll es einen Zeitplan zur Wiedereröffnung geben. Das Wiener Sportamt geht, wie der Standard berichtet, von einem Termin Anfang 2017 aus.

"September 2017." So lautet die aktuelle Auskunft des Wiener Sportamts auf die Frage, wann die Anlage wieder aufgesperrt und ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt wird. Jene Hobby- und Spitzensportler, die früher regelmäßig die Halle genützt und mit einem früheren Termin gerechnet hatten, verharren also mehr oder weniger in Melancholie und üben sich jedenfalls in Geduld. Inline-Hockey, Tischtennis, Basketball, Fußball, Badminton, Beachvolleyball, eine Laufbahn und eine Anlage für Hammerwerfer wurden bis September 2015 geboten. Die Halle verzeichnete wöchentlich mehr als tausend Besuche, jährlich also 60.000 Besuche. An Vormittagen nutzten Volksschulen das Angebot – so soll es wieder sein, aber frühestens ab Beginn des nächsten Schuljahres.

Einstimmig, unstimmig

Erst Mitte Februar haben sich im Wiener Gemeinderat alle Parteien darauf verständigt, 336.000 Euro für Instandsetzungsmaßnahmen zu investieren. Trotz dieser Einstimmigkeit gab es auch Unstimmigkeit, nämlich zwischen SPÖ und FPÖ. Der freiheitliche Landessportrat Dietrich Kops warf Sportstadtrat Andreas Mailath-Pokorny "Untätigkeit" vor. "Ich kann mir die Zuteilung der Sportagenden zum SPÖ-Kulturstadtrat nicht erklären." Thomas Reindl, Sportsprecher der SPÖ, erkannte darin ein "schweres Foul" . Denn in Wien würden "neben dem Betrieb und der Instandhaltung bestehender Sportareale laufend Großsportstätten entweder errichtet oder zeitgemäßen Anforderungen angepasst" – wie kürzlich das Allianz Stadion oder aktuell die Generali-Arena.

Tatsächlich flossen oder fließen in die Infrastruktur von Rapid und Austria aktuell insgesamt fünfzig Millionen Euro. Doch der Fußball ist eine Geschichte, die übrigen Sportarten und Breitensport sind eine andere. Siehe Sport-und-Fun-Halle. Auch dazu gab es SPÖ- und FPÖ-Aussendungen. Jede Seite warf der anderen Ahnungslosigkeit vor – jeweils nicht ganz zu Unrecht. Kops verwechselte schon im Titel die kleine Halle mit dem großen Dusika-Stadion. "Nach Flüchtlingen muss Dusika-Stadion generalsaniert werden." Plakativ, aber falsch. Reindls Konter: "Die Halle musste ohnehin renoviert werden. Viele Basketballer, Landhockeyspieler und Fußballer werden sich über die neue Halle freuen." Auch nicht ganz richtig – Landhockey ist nicht Inline-Hockey.

Aus dem Sportamt ist zu erfahren, dass die Sport-und-Fun-Halle ab September "fast Dasselbe wie vor der Schließung" anbieten wird. Nur die kurze Laufbahn und den Kreis für Hammerwerfer – wird es nicht mehr geben. Für die Leichtathleten, so das Sportamt, sei winters im Dusika-Stadion und sommers im Leichtathletikzentrum auf der anderen Seite der Meiereistraße gesorgt. (Fritz Neumann, 17.3.2017)

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