Warum manche Spinnen riesige Kolonien bilden

19. März 2017, 10:00
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Stärke durch Gemeinschaft: Forscher stellten fest, wie kleine Webspinnen ihre Netze wetterfest machen

foto: reuters/department for international development/russell watkins
Keine gärtnerische Pflege: diese Baumkronen stecken in Spinnennetzen.

Vancouver – Im Dezember 2010 gingen die Bilder oben um die Welt: In der Provinz Sindh im Süden Pakistans hatten unzählige Spinnen ganze Bäume eingewoben. Dafür, dass das Phänomen für diese Region so einzigartig war, ist es erstaunlich unerforscht geblieben. Es wurde jedoch angenommen, dass die damalige Hochwasserkatastrophe in Sindh die Spinnen in die Bäume und zum kollektiven Netzbau getrieben habe.

Tatsächlich gibt es unter den im allgemeinen als Einzelgänger geltenden Webspinnen auch Arten, die gewohnheitsmäßig im Kollektiv leben. Auch hier spielen aber Wind und Wetter – respektive Wasser – eine entscheidende Rolle, berichten Forscher der University of British Columbia im Fachmagazin "Behavioral Ecology".

Das Team um Leticia Avilés war in Ecuador, um Haubennetzspinnen der Gattung Anelosimus näher zu untersuchen. Zu diesen im Schnitt nur wenige Millimeter kleinen Spinnen gehören bislang 74 bekannte Arten, die ein breites Spektrum des Sozialverhaltens abdecken. Es gibt Einzelgänger, für Spinnenverhältnisse aber auch eine auffällige Häufung von hochsozialen Arten. Auch diese können mit ihrem Gemeinschaftsnetz eine ganze Baumkrone einspinnen. In einer solchen Kolonie leben dann oft zehntausende Spinnen.

foto: leticia avilés
Arachnologen untersuchen ein Anelosimus-Netz.

Allerdings ist das nicht überall der Fall. In Höhenlagen mit gemäßigtem Klima leben Anelosimus-Spinnen nur in kleinen Gruppen zusammen, die sich aus direkten Verwandten zusammensetzen. Im tiefergelegenen Regenwald hingegen sammeln sie sich zu Tausendschaften mit entsprechend großen Netzgebilden. Dort sind die Bedingungen aber auch wesentlich unfreundlicher: Es gibt nicht nur eine größere Zahl von Fressfeinden, es fällt auch laufend schwerer Regen, der die empfindlichen Netze beschädigt.

Um ihre Hypothese zu überprüfen, sammelten die Forscher Hochlandspinnen und setzten sie in tieferen Lagen aus, um zu sehen, wie sie sich verhalten. Außerdem hielten sie von einem Teil der unfreiwilligen Umsiedler alle Räuber fern, andere schützten sie vor dem Regen. Beide Faktoren erwiesen sich als wichtig: Gemeinsame Netze können den Wassermassen leichter widerstehen, wie sich zeigte. Zudem ist innerhalb einer Kolonie eine Aufgabenteilung möglich: Ein Teil der Spinnen stellt sich Angreifern entgegen, andere reparieren derweil schadhafte Stellen im Netz oder hüten den Nachwuchs.

Avilés betont, dass auch Spinnen zu einem Verhalten fähig sein können, das sich im Tierreich vielfach unabhängig voneinander entwickelt hat: Überleben durch Gemeinschaft. Als vergleichbares Beispiel nennt sie Pinguine, die sich aneinander kuscheln, um der antarktischen Kälte zu widerstehen: für die meisten Menschen wohl eine etwas anheimelndere Vorstellung als ein Baum voller zehntausend Spinnen. (jdo, 19. 3. 2017)

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