Posse um Schönheitssalon steigert Bekanntheitsgrad

16. März 2017, 14:42
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WU-Professor: PR-Nutzen eindeutig gegeben – Unternehmerin stellt PR-Gag in Abrede

Wien – Über Wochen hat es nach Wut-Postings einer Wiener Schönheitssalonbetreiberin, die sich vom Arbeitsinspektorat übermäßig geprüft und mit Auflagen konfrontiert fühlt, Resonanz in Medien aller Art gegeben. Die Unternehmerin stellte einen PR-Gag zwar stets in Abrede. Aber ein PR- bzw. Werbe-Nutzen steht für den WU-Professor Martin Schreier, Leiter des Instituts Marketing Management, außer Zweifel.

Zwar will der Experte Schreier den Werbewert aus zahlreichen Facebook-Postings und der Teilung von Postings sowie die wochenlange immer wieder gegebene Präsenz in TV- und Zeitungsberichten nicht konkret in Zahlen gießen. Er zählte im APA-Gespräch am Donnerstag aber zahlreiche Punkte auf, warum ohne Zweifel ein Nutzen im Sinne der Steigerung des Bekanntheitsgrades gegeben sein muss. So sei es schon ein Grundpfeiler von Werbung an sich, sein Unternehmen, sein Produkt oder sich selbst bekannt zu machen, sagte Schreier. Und das gelinge der Unternehmerin zweifellos – egal ob bewusst oder nicht.

"Sogar wenn ich negativ wahrgenommen werde, schaffe ich Awareness (Bewusstsein/Bekanntheit, Anm.)", so Schreier. Er verwies auf eine US-Studie von Wissenschaftern renommierter Universitäten wonach es für die Verkaufszahlen besser ist, wenn die New York Times ein Buch in ihrer Kritik zerreißen, als wenn das Buch gar nicht vorkommt. "Das trifft vollkommen auf dieses Geschäft zu", sagt Schreier. "Jeder kennt jetzt das Geschäft. Das kann sich auch positiv auswirken, wenn die Unternehmerin umstrukturiert." Wenn wo anders wiedereröffnet werde oder noch mehr Filialen eröffnet würden, "ist richtig Profit möglich", so der WU-Professor und -Institutschef. Warum? "Weil die Leute so etwas abspeichern und es eben auch bei negativen Nachrichten positive Auswirkungen geben kann."

David gegen Goliath

Gänzlich negativ wurden die Vorgänge medial aber keineswegs transportiert. "Da kommt der sogenannte Underdog-Effekt hinzu", verweist Schreier auf einen weiteren Grundsatz in der Werbung. Hierbei gehe es um das Ankämpfen eines Davids gegen einen Goliath – in diesem Fall die Unternehmerin, die sich gegen (aus ihrer Sicht) zu viele Auflagen, also die Behörden wehrt. Es entstehe das Image einer Einzelkämpferin, die gegen Bürokratie, Politik und schwierig nachvollziehbare Regeln ankämpft, so Schreier.

Die Mehrheit der Menschen findet so etwas gut, weil die Mehrheit der Leute sich im inneren oft selbst wie ein David fühlt, erklärt der Professor. Also würde die Mehrheit Firmen oder Marken tendenziell gut finden, die den Underdog-Effekt bedienen.

In der "ZiB2" vom Mittwoch schloss die Unternehmerin übrigens einen Werbecoup aus: "Bekanntheit zahlt keine Gehälter und zahlt auch keine Steuern", sagte sie. Ihr Anwalt und Mehrheitseigentümer des Unternehmens sagte kürzlich zur APA, es stehe der Firma eine "Umstrukturierung" bevor, während die Unternehmerin Medienberichten zufolge vom "Zusperren" spricht. Die Behörden würden Arbeitsplätze vernichten, glaubt die Firmenchefin, die aufgrund ihrer Postings sogar Besuch von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) erhalten hatte, der "Verständnis für den Ärger" ausdrückte. (APA, 16.3.2017)

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