"Desync" im Test: Hypnotischer Cyberspace-Shooter mit klassischer Härte

    Rezension17. März 2017, 09:06
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    Der puristische Arena-Shooter setzt auf stylische Non-Stop-Action

    Die Neuauflage von "Doom" letztes Jahr hat den Bann gebrochen. Waren lange Jahre regenerierende Gesundheit, das Hocken in der Deckung und angeblich "realistischere" Szenarien in Mode, hat die Rückkehr des Höllenfürsten eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass es auch anders geht: Rasante Geschwindigkeit, brachiale Action und schnörkelloses Action-Ballett, wie es in First-Person-Klassikern rund um die Jahrtausendwende der Standard war, versetzten Spielerinnen und Spieler sowie die Presse in Begeisterung.

    Mit "Desync" (Windows, 14,99 Euro) liefert ein australisches Indie-Team nun mehr als nur eine Hommage an das flotte Actionrezept. In seiner digitalen Welt, die sich an der zeitlosen Ästhetik Syd Meads für den Filmklassiker "Tron" bedient, kämpfen Spielerinnen und Spieler mit verschiedenen Waffen gegen eine Vielzahl von sich wellenweise herbeiteleportierenden Bösewichten, die von kleinen Robotern bis hin zu gewaltigen mechanischen Samurai reichen.

    Retrofuturistisches Gesamterlebnis

    Auf den ersten Blick beeindruckt an "Desync" der Grafikstil, der Drahtgittermodelle aus grellen Neonfarben mit der gedämpften Farbpalette der Umgebung kontrastieren lässt – nicht nur Retrofuturismus-Nostalgiker mit Faible für die Achtzigerjahre haben ihre Freude am überaus stylischen, stets leicht lesbaren Erscheinungsbild des Spiels.

    Untermalt wird die Action höchst eindrucksvoll vom treibenden Elektrosound des Synthwave-Produzenten Daniel Deluxe, der auch ganz ohne Spiel ein Reinhören wert ist. Freunde der blutigen Indie-Kultspielserie "Hotline Miami" wissen, welchen hypnotischen Sog die gelungene Synthese aus Clubsound und fordernder Action entfalten kann. "Desync" schafft es diesbezüglich tatsächlich, ein beeindruckend stimmiges Gesamterlebnis aus Grafik und Sound zu schaffen, das sich in seiner Anlehnung an die Ästhetik der futuristischen Achtzigerjahre jederzeit modern anfühlt.

    Bewährtes Rezept, sinnvoll verschärft

    In Sachen Gameplay herrscht sympathischer Minimalismus: Ausgangspunkt der Kämpfe ist stets der zentrale Hub, von dem aus in die jeweiligen Level gestartet wird. In diesen führt der Weg durch eine Handvoll einzelner Arenen, in denen eine festgelegte Abfolge von Gegnern ausgeschaltet werden muss, bevor es weiter oder am Ende wieder zurück in die Basis geht. Flinkes Ausweichen und ständige Bewegung sind dabei ebenso essentiell wie präzises Schießen, denn sehr viel hält man in "Desync" nicht aus: Nach nur wenigen Treffern schickt der Bildschirmtod unvorsichtige Spielerinnen und Spieler nach angenehm minimaler Unterbrechung zurück an den Start des jeweiligen Levelabschnitts – auch hierin erinnert "Desync" an "Hotline Miami".

    Skill, höchste Konzentration und Reaktionsschnelligkeit sind Trumpf, und das nicht nur im Kampf gegen die besonders herausfordernden Bossgegner. Dabei bietet "Desync" allerdings auch etwas kleinteiligeres Tuning an: Im Hub lassen sich gefundene "Fragmente" zu Waffen-Upgrades umwandeln, besondere Combo-Moves situationsgerecht mit Item-Drops kombinieren sowie weitere Ausrüstungen und Upgrades freischalten. Dass bei diesem einschüchternd komplexen System mit Erklärungen gegeizt wird und viel durch Trial & Error herausgefunden werden muss, passt – wohlwollend betrachtet – auch zum Rest des Spielkonzepts. Überaus detaillierte Statistiken sowie umfangreiche Highscore-Tabellen weisen darauf hin, dass das Zielpublikum eines ist, das gern am optimalen Run tüftelt und sich mit ähnlich beseelten Profis misst.

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    Trailer zu "Desync"

    Fazit

    "Desync" ist ein stylisches Gesamtpaket aus puristischem, rasanten Arena-Gameplay und gelungener Ästhetik sowohl in Optik als auch Sound – obwohl es spielerisch grundverschieden ist, erinnert es in Schwierigkeitsgrad, hypnotischem Flow und Achtzigerjahre-Futurismus an das große "Hotline Miami", und das ist durchaus als Lob zu verstehen. Wegen seines rasch ansteigenden Schwierigkeitsgrads ist es allerdings eher für versierte Shooterfreunde zu empfehlen, die es durch Highscore-Jagd und variable Loadouts, aber auch vor allem durch sein intensives Gameplay in seinen Neon-Arenen halten wird. (Rainer Sigl, 17.3.2017)

    "Desync" ist für Windows-PC erschienen. UVP: 14,99 Euro

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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