Manche Schmerzmittel erhöhen Risiko für Herzstillstand

16. März 2017, 10:28
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Die Risiken der untersuchten Entzündungshemmer seien prinzipiell schon lange bekannt – Patienten wüssten darüber aber nur wenig Bescheid, sagen Forscher

Kopenhagen – Die Einnahme bestimmter Schmerzmittel erhöht das Risiko für einen Herzstillstand, warnen dänische Wissenschafter. Sie zeigten in einer Studie, dass häufig verwendete schmerzlindernde Arzneistoffe wie Ibuprofen und Diclofenac in Einzelfällen schwere Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben können.

"Indem man zulässt, dass diese Mittel ohne Rezept gekauft werden können, vermittelt man der Öffentlichkeit den Eindruck, dass sie sicher sein müssen", sagt Gunnar Gislason, Kardiologe am Universitätskrankenhaus in Gentofte. Die Risiken der untersuchten Entzündungshemmer seien prinzipiell schon lange bekannt, betonte ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Über die möglichen kardiovaskulären Nebenwirkungen werde in den an die Ärzte gerichteten Fachinformationen zu den Präparaten umfassend informiert.

"Sind nicht harmlos"

Die Forscher um Gislason hatten die Auswirkungen sogenannter Nicht-steroidaler Entzündungshemmer (NSAID) untersucht, zu denen neben Ibuprofen und Diclofenac etwa auch Naproxen, Rofecoxib und Celecoxib zählen. Schon mehrere Analysen zuvor hätten gezeigt, dass diese Arzneistoffe mit kardiovaskulären Risiken verbunden sind.

In ihre aktuelle Analyse berücksichtigten die Forscher die Daten aller Herzstillstand-Patienten in Dänemark zwischen 2001 und 2010 – insgesamt waren es rund 29.000. Knapp 3.400 der Patienten hatten bis zu einen Monat vor ihrem Herzstillstand Schmerzmittel genommen, davon 1.100 Ibuprofen und 545 Diclofenac. Das im "European Heart Journal" veröffentlichte Ergebnis der Studie: Bei der Einnahme von Diclofenac stieg die Wahrscheinlichkeit eines Herzstillstands um 50 Prozent im Vergleich zu Patienten, die keine Schmerzmitteln genommen hatten. Bei Ibuprofen lag das Risiko um 31 Prozent höher.

"Die Ergebnisse sind eine Erinnerung daran, dass NSAIDs nicht harmlos sind", so Gislason. Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten eine Einnahme seiner Einschätzung nach ganz vermeiden. Die Arzneistoffe hätten viele Effekte auf das Herz-Kreislauf-System, die die Verbindung zum Herzstillstand erklären könnten. So beeinflussten sie etwa die Ansammlung von Blutplättchen und könnten Blutgerinnsel verursachen.

Empfehlungen

Er empfehle, nicht mehr als 1.200 Milligramm Ibuprofen am Tag einzunehmen, sagt Gislason. Diclofenac sollten seiner Ansicht nach auch herzgesunde Menschen meiden. Es gebe andere, ebenso hilfreiche Mittel ohne derartige mögliche Nebenwirkungen, betonen die Studienautoren.

Nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID) sind Schmerzmittel mit schmerzstillenden, fiebersenkenden und entzündungshemmenden Eigenschaften. Sie werden zur Behandlung von Schmerzen verschiedener Ursache, bei Fieber, entzündlichen Erkrankungen und zur Blutverdünnung eingesetzt. Die Aussagen der Studie sind auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass Schmerzmittel in anderen europäischen Ländern nicht nur in Apotheken, sondern auch im Supermarkt erhältlich sind. (APa, dpa, 16.3.2017)

  • Nicht-steroidale Entzündungshemmer sollten Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen meiden, heißt es in einer aktuellen Studie.
    foto: istockphoto.com

    Nicht-steroidale Entzündungshemmer sollten Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen meiden, heißt es in einer aktuellen Studie.

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