"Österreich damals" zur Ernährung auf ORF 3: Danke, Kühlschrank!

15. März 2017, 17:32
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Erste vegetarische Bewegungen sollen wiederum in Österreich "schon" um 1850 aufgekommen und weniger politisch als religiös motiviert gewesen sein

Ernährungstrends sind heute Themen, mit denen man schnell jede gesellige Runde sprengen kann. Etwa wenn man bei Tisch einen Veganer neben eine Anhängerin der Paläo-Diät setzt. Dabei kann die Entwicklung und Geschichte verschiedener Stile der Essensaufnahme auch unterhaltsam aufbereitet werden.

Den Beweis dafür trat am Dienstagabend Patrice Fuchs für den zweiten Teil der neuen ORF-3-Reihe Österreich damals zum Thema "Unsere Ernährung" an. Da konnte man von Kunsthistorikern und Ernährungswissenschaftern viel über Tischsitten vergangener Tage erfahren, und einige Mythen wurden entzaubert. Apropos Paläo: Der Steinzeitmensch aß gar nicht so viel Fleisch wie angenommen, sondern immer schon viel Getreideprodukte. In your face, Low-Carb-Freaks! Die simple Erklärung: So ein Mammut war viel zu schwer, um es heimzuschleppen. Fleisch gab es daher eher selten.

Erste vegetarische Bewegungen sollen wiederum in Österreich "schon" um 1850 aufgekommen und weniger politisch als religiös motiviert gewesen sein. Die Religion war überhaupt ein Spielmacher in Sachen Ernährung: Rund 150 Fastentage hatte man im katholischen Österreich einst fleischlos zu überstehen, weshalb die "böhmische Küche", an der nur die Köchinnen und nicht die Rezepte böhmisch waren, Köstlichkeiten wie Palatschinken aufkommen ließ. Und: Lachs und Austern waren in der guten alten Zeit Arme-Leute-Essen. Solche Infos wurden schwungvoll und teils mit Soulmusik serviert. Am Ende erfuhren wir: Der Einzug des Kühlschranks war es, der es schließlich Frauen erlaubte, arbeiten zu gehen. Damit das auch einmal gesagt wäre: Danke, Kühlschrank! (Colette M. Schmidt, 15.3.2017)

  • Wie hat man zu Kaisers Zeiten gegessen? Erdäpfel, Paradeiser und Kukuruz galten als Schweinefutter und kamen nicht auf den Tisch. Fleisch war die begehrenswerteste Speise und für die Armen auch die unleistbarste.
    foto: orf

    Wie hat man zu Kaisers Zeiten gegessen? Erdäpfel, Paradeiser und Kukuruz galten als Schweinefutter und kamen nicht auf den Tisch. Fleisch war die begehrenswerteste Speise und für die Armen auch die unleistbarste.

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