Wie sich der Rußausstoß von Flugzeugen verringern lässt

18. März 2017, 11:02
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Experiment zeigte: Mischung von 50 Prozent Bio- und regulärem Kerosin reduziert Partikelmenge beträchtlich

Wien – Die Beimischung von Biotreibstoffen zum herkömmlichen Kerosin könnte die Rußemissionen von Flugzeugen deutlich reduzieren. Das zeigen Messungen bei Flugversuchen in den USA, deren Ergebnisse im Fachjournal "Nature" veröffentlicht wurden. Demnach kann eine Mischung aus jeweils 50 Prozent Bio- und regulärem Kerosin den Ausstoß von Rußpartikel um 50 bis 70 Prozent reduzieren.

Die Messungen wurden von der NASA, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dem kanadischen National Research Council in den USA durchgeführt. Beteiligt daran war auch Atmosphärenphysikerin Bernadett Weinzierl von der Uni Wien.

Hintergrund

Die von Flugzeugen ausgestoßenen Rußpartikel wirken als Kondensationskeime für Eiskristalle, die als Kondensstreifen sichtbar werden. Diese Eiskristalle können bei entsprechenden Bedingungen in acht bis zwölf Kilometer Höhe mehrere Stunden bestehen bleiben und hochliegende Zirrus-Wolken bilden, sogenannte Kondensstreifen-Zirren.

Die Klimawirkung der Kondensstreifen und -zirren abzuschätzen, sei sehr schwierig und hänge von vielen Faktoren, etwa den meteorologischen Bedingungen ab, sagt Weinzierl. "Klar ist, dass sie in Summe eine klimaerwärmende Wirkung haben". Als Maß für die Störung des Klimasystems gilt dabei der sogenannte Strahlungsantrieb. Kondensstreifen-Zirren verursachen nach Angaben der Wissenschafter einen Strahlungsantrieb von rund 50 Milliwatt (mW) pro Quadratmeter.

Das ist ein deutlich höherer Wert als die Klimastörung des von Flugzeugtriebwerken ausgestoßenen Kohlendioxids (28 mW). Die von Kondensstreifen ausgehende Bewölkung ist damit der größte Faktor beim Strahlungsantrieb des zivilen Flugverkehrs.

Vorgehensweise weitgehend noch Neuland

Für die Flugversuche führten die Wissenschafter Messungen im Abgasstrahl eines NASA-Forschungsflugzeugs, einer vierstrahligen DC-8, im Abstand von 30 bis 150 Metern durch. Das Flugzeug wurde dabei zum Vergleich abwechselnd mit regulärem Kerosin und einer 1:1-Mischung aus regulärem und Biotreibstoff (Hydroprocessed Esters and Fatty Acids, HEFA) betrieben. Letzterer wurde aus dem Öl der Camelina-Pflanzen gewonnen.

Bisher ist die Beimengung von Biokraftstoffen zum Flugzeugtreibstoff erst in Ansätzen realisiert. Beispielsweise betankt die Lufthansa-Gruppe seit Anfang vergangenen Jahres am Flughafen Oslo ihre Flugzeuge, darunter auch AUA-Maschinen, mit Kerosin, dem Biotreibstoff beigemischt ist. (APA, red, 18. 3. 2017)

  • Vorerst werden im Flugverkehr noch kaum Biokraftstoffe beigemengt – das könnte sich in Zukunft ändern.
    foto: apa/afp/anp/koen van weel

    Vorerst werden im Flugverkehr noch kaum Biokraftstoffe beigemengt – das könnte sich in Zukunft ändern.

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