Somaliland will den US-Einreisebann loswerden

16. März 2017, 08:00
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Auch wenn Somaliland offiziell Teil Somalias ist, wollen seine Bewohner als unabhängig betrachtet werden

Hargeisa/Johannesburg – Arme Somaliländer. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert wollen sich die vier Millionen Ostafrikaner von ihren Geschwistern in Somalia abgrenzen – erst durch einen regelrechten Waffengang 1988, dann drei Jahre später durch eine Unabhängigkeitserklärung, die allerdings von keinem Staat der Welt anerkannt wurde.

Auch der mächtigste Mann der Welt scheint sich um die feinen Unterschiede, die den Somaliländern so wichtig sind, nicht zu kümmern: Als US-Präsident Donald Trump kürzlich seinen Einreisebann für die Einwohner von sechs muslimischen Staaten erneuerte, wurden auch die Somaliländer kurzerhand und pauschal zu Personae non gratae erklärt – auch wenn auf ihrem Gebiet von der eineinhalbfachen Größe Österreichs weder das Chaos herrscht noch Terroristen ihr Unwesen treiben. "Wir haben keine Probleme mit Extremisten", sagt der somaliländische Außenminister Saad Ali Shire. "Wir sollten nicht mit Somalia verwechselt werden. Wir sind ein eigenständiges Land."

CIA: "Stabile Existenz"

Tatsächlich fand der letzte Terroranschlag in Somaliland vor neun Jahren statt: Die meisten westlichen Staaten haben eine wesentlich schlechtere Bilanz. Seit dem Bombenanschlag in der Hauptstadt Hergeisa 2008 ist es in Somaliland ruhig geworden: "Obwohl es von keiner Regierung anerkannt wird, erhält dieses Gebilde eine stabile Existenz aufrecht und setzt seine Bemühungen fort, eine konstitutionelle Demokratie aufzubauen, einschließlich lokaler und nationaler Wahlen", stellt selbst das Handbuch der CIA fest. Wer Somalia kennt, weiß die Errungenschaften in dem benachbarten Territorium zu schätzen: Während sich dort jeden zweiten Tag ein Selbstmordattentäter mit Dutzenden von Opfern in die Luft sprengt und von einer funktionierenden Regierung keine Rede sein kann, geht in Somaliland das Leben einen geregelten Lauf – auch wenn derzeit wieder eine Hungersnot herrscht.

Außenminister Saad Ali Shire und Präsident Ahmed Mohamed Mohamoud wollen die Unabhängigkeit der ehemaligen britischen Kolonie mit aller Kraft – sie scheitern jedoch am Widerstand der Somalier. Somaliland soll höchstens eine autonome Region, niemals aber ein unabhängiger Staat sein. Schließlich werden in der Provinz größere Erdölvorkommen vermutet; und mit Berbera verfügt der Landstrich über einen strategisch bedeutsamen Hafen am Roten Meer. Außenminister Shire appellierte dennoch mit einem förmlichen Schreiben an die US-Regierung, Somaliland vom Einreisebann bitte auszunehmen. Seitdem schaut er jeden Morgen bei Twitter, ob sein höfliches Ersuchen auf Verständnis gestoßen ist. (Johannes Dieterich, 16.3.2017)

  • Auch wenn Somaliland von keinem Staat der Erde anerkannt wird, feiern die Bewohner jeden 18. Mai ihren Unabhängigkeitstag.
    foto: apa/afp/mohamed abdiwahab

    Auch wenn Somaliland von keinem Staat der Erde anerkannt wird, feiern die Bewohner jeden 18. Mai ihren Unabhängigkeitstag.

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