Renoviertes Linzer Schauspielhaus: Besser sitzen, sehen und hören

15. März 2017, 15:14
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Am 1. April eröffnet das Haus – später als geplant: "Alles, was man sich an Schwierigkeiten vorstellt, ist hier noch übertroffen worden."

Linz – Das renovierte Linzer Schauspielhaus bietet den künftigen Zuschauern etwas ganz Wichtiges: Besser sitzen, sehen und hören. Das versprachen vom Landeshauptmann und Kulturreferenten Josef Pühringer (ÖVP) abwärts alle Verantwortlichen in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird das Theater am 1. April eröffnen.

Pühringer rechnete vor, dass das Schauspielhaus vor dem Umbau 680 Plätze hatte, aber zuletzt 80 davon nicht mehr verkauft wurden. Von dort war es nämlich nicht möglich, den Darbietungen auf der Bühne ohne Einschränkung zu folgen. Nunmehr sind nur noch 500 Plätze vorhanden, wobei die Reduktion nicht durch höhere Eintrittspreise egalisiert werden soll.

Die Klimatisierung wurde völlig neu konzipiert. Auch die "grenzwertigen" Sicherheitsverhältnisse bei Feuerschutz, Notausgängen, Fluchtwegen und Arbeitsbedingungen seien nunmehr saniert. Dazu komme auch noch ein kulturpolitischer Aspekt: Mit der Renovierung dieses Theaters sei klargestellt, dass Schauspiel in Linz kein Stiefkind sei.

Vom Ballhaus zum Theater

Der gesamte Gebäudekomplex war ursprünglich 1697 als Ballhaus errichtet worden, im 18. Jahrhundert wurde dort aber schon Theater gespielt. Bereits beim Neubau des Landestheaters 1919 engagierte sich die Sparkasse, bei der jetzigen Sanierung erneut. Die Renovierung nach einem Konzept des Architekturbüros Jabornegg und Palffy strebte an, das Haus wieder in seinen "Originalzustand" aus dem Jahr 1958 zu versetzen – einer von Architekt Clemens Holzmeister stammenden Neukonzeption.

Diverse hinzugefügte Einbauten wurden reduziert. Das Gebäude ist auch eine Hülle für die Arbeiten etlicher Künstler. Das Deckengemälde stammt von Fritz Fröhlich, Keramikapplikationen von der Wiener-Werkstätten-Meisterin Gudrun Baudisch. Der Bildhauer Walter Ritter fertigte eine Serie von Terrakotta-Plastiken. Zehn quadratische Gemälde auf Goldgrund vom Maler Rudolf Kolbitsch werden noch restauriert, sollen aber ab dem 1. April wieder an ihren angestammten Plätzen im Foyer hängen. Auch von Holzmeisters Originalmöblierung wurde ein Teil wiedergefunden und restauriert.

1,5 Millionen Euro teurer

Das Projekt wurde im Mai 2016 begonnen und sollte bereits zu Jahresbeginn abgeschlossen sein. Durch zahlreiche vorher nicht einsehbare Komplikationen in der Bausubstanz habe es sich um drei Monate verzögert und von acht auf 9,5 Mio. Euro verteuert, schilderte Projektleiter Richard Deinhammer: "Alles, was man sich an Schwierigkeiten vorstellt, ist hier noch übertroffen worden."

Nach der offiziellen Eröffnung des Hauses am Nachmittag des 1. April steht am Abend die Premiere von "Der Sturm" von William Shakespeare auf dem Programm – die erste Inszenierung des neuen Schauspiel-Chefs Stephan Suschke. Weil aus Platzgründen die Besucherzahl bei beiden Terminen beschränkt ist, gibt es am Tag danach eine "Hausöffnung für alle" mit der Präsentation des renovierten Räume, Informationen über Umbau und Gebäude, Begegnung mit den Theaterschaffenden und diverser Unterhaltung bei freiem Eintritt. (APA, 15.3.2017)

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