EU-Behörde wertet Pflanzengift Glyphosat als nicht krebserregend

15. März 2017, 13:55
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EU-Agentur: Unbedenklich für menschliche Gesundheit

Helsinki/Wien – Die europäische Chemikalienagentur Echa mit Sitz in Finnland hat das lange erwartete Gutachten zu Glyphosat veröffentlicht. Darin wird das weltweit massenweise eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel als "nicht krebserregend" eingestuft. Dies gilt als wichtiger Schritt zu einer weiteren Zulassung des umstrittenen Pflanzengifts in der EU.

Der Vorsitzende der Abteilung für Risikobewertung der Echa, Tim Bowmer, sagte am Mittwoch in Helsinki, die Unbedenklichkeit von Glyphosat für die menschliche Gesundheit ergebe sich aus human- und tiermedizinischen Studien. Unstrittig seien jedoch massive negative Einflüsse der Chemikalie auf die Artenvielfalt.

Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie Global 2000 oder Greenpeace verurteilten das Echa-Statement. Es sei dies eine "Verabschiedung von wissenschaftlichen Fakten", hieß es. Insbesondere eine Studie der UN-Krebsforschungsagentur IARC stärkt schon des Längeren den Gegnern von Glyphosat, das seit 2002 in der EU erlaubt ist, den Rücken. Die Institution hatte nämlich das Pestizid als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft.

"Sieg der Wissenschaft"?

Industrievertreter zeigten sich über das Echa-Statement erleichtert. "Das Ergebnis bestätigt die seit Jahrzehnten bekannten Eigenschaften von Glyphosat und untermauert frühere Sicherheitsbewertungen", erklärte Christian Stockmar, Obmann der Industriegruppe Pflanzenschutz. Er bezeichnete das Erkenntnis der Echa als "einen Sieg der Wissenschaft über absurde und populistische NGO-Kampagnen".

Die Zulassung für das Herbizid war im Sommer des Vorjahres abgelaufen. Da sich die EU-Mitglieder zu einer Verlängerung nicht einig werden konnten – Österreich zum Beispiel enthielt sich der Stimme -, hätte die EU-Kommission entscheiden müssen. Diese aber beauftragte die EU-Chemikalienagentur Echa damit, nochmals den Vorwurf, Glyphosat sei karzinogen, zu überprüfen. In der Zwischenzeit war der Einsatz von Glyphosat weiterhin erlaubt. Die EU-Kommission erklärte damals, sie werde sich bei ihrer Entscheidung über eine Zulassungsverlängerung strikt von den "wissenschaftlichen Ergebnissen" der Echa-Untersuchung leiten lassen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte sich in der FAZ kürzlich darüber beklagt, dass die Kommission in dieser Frage den "schwarzen Peter" habe. Denn die Abstimmungen in den Entscheidungsgremien sind geheim; oft gibt es eine Diskrepanz zwischen Abstimmungsverhalten in Brüssel und Erklärungen dazu im eigenen Land. (ruz, 15.3.2017)

Kommentar von Johanna Ruzicka: Umgang mit Glyphosat: Heiße Kartoffel

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