Semperit-Chef Thomas Fahnemann tritt mit sofortiger Wirkung zurück

15. März 2017, 12:11
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Zuletzt 2016 wegen Thailand-JV-Auflösung rote Zahlen und Dividenden-Kürzung

Wien – Paukenschlag beim Gummikonzern Semperit: Vorstandschef Thomas Fahnemann (55) verlässt mit sofortiger Wirkung das Unternehmen, dem er knapp sechs Jahre vorstand. Der Aufsichtsratschef von Semperit, Veit Sorger, habe dem Aufsichtsgremium vorgeschlagen, den Rücktritt zustimmend zur Kenntnis zu nehmen, teilte das börsennotierte Unternehmen am Mittwoch mit.

Fahnemann sagte, er wolle sich nach dem Abschluss der Joint-Venture-Transaktion in Thailand und der damit zusammenhängenden Neuaufstellung von Semperit einer anderen beruflichen Herausforderung stellen. Die Nachfolge soll in den nächsten Wochen entschieden werden.

Aus Eigentümerkreisen ist zu hören, der Rücktritt Fahnemanns erfolge in beiderseitigem Einverständnis. Die Zeit sei "für eine Zäsur im Vorstand reif" gewesen. Das gesamte Führungsgremium werde ausgetauscht; demnach wird auch Technikchef Richard Ehrenfeldner seinen Sessel räumen.

Fahnemanns Rückzug dürfte vor allem Folge des Thailand-Abenteuers sein. Dort hat Semperit im Jänner nach jahrelangem Streit mit seinem Partner Sri Trang sein Handschuh-Joint-Venture beendet. Gestern, Mittwoch, wurde die Trennung finalisiert.

"Wir haben einen großen Geschäftszweig gegen Geld getauscht, das streben wir aber nicht an", ist aus Aktionärskreisen zu hören. Zwar sei das problematische Engagement, das letztlich im Rahmen eines Schiedsverfahrens beendet wurde, der Ära vor Fahnemann zuzurechnen. Dennoch trage auch Fahnemann Mitverantwortung daran, dass "ein wichtiger Teil des Sempermed-Geschäfts verloren ist". Fahnemann sei aber zugutezuhalten, dass er den Industriebereich (Semperflex und Sempertrans) "auf ein gutes Niveau" gehoben habe.

Semperit hat, beeinflusst von der Auflösung des Joint Ventures, im kürzlich zu Ende gegangenen Geschäftsjahr rote Zahlen geschrieben und die Dividende gekürzt. Im Zusammenhang mit der Auflösung des Thailand-Joint-Ventures gibt es nun für Semperit einen Cash-Zufluss von umgerechnet 187 Mio. Euro.

Nach Jahren in den USA, unter anderem bei der Hoechst-Tochter Trevira, kehrte Fahnemann 2003 nach Europa zurück, um die ebenfalls auf Industriefaser spezialisierte Lenzing AG zu leiten.

Anfang 2009 wechselte Fahnemann als Vorstandsvorsitzender zur RHI. Am 20. August 2010 informierte der gebürtige Deutsche den Aufsichtsrat, dass er mit sofortiger Wirkung aus persönlichen Gründen RHI verlassen möchte. Mit Wirkung vom 1. Dezember 2010 wurde Fahnemann vom Aufsichtsrat der Semperit AG zum stellvertretenden Vorstandschef und im April 2011 zum Vorstandsvorsitzenden und Nachfolger von Rainer Zellner bestellt. Sein Vertrag ist erst vor knapp einem Jahr bis zum 31. Dezember 2019 verlängert worden. (gra, stro)

  • Thomas Fahnemann
    foto: apa/georg hochmuth

    Thomas Fahnemann

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