"Das passt nicht": Heimische Musikwirtschaft will mehr Geld von Youtube

18. März 2017, 09:48
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Fünf Prozent der heimischen Streaming-Umsätze kommen von der Google-Tochter

Jahrelang war "das Internet" das Böse schlechthin, nun lässt es die Sonne wieder fast ohne Unterlass scheinen. So lässt sich die aktuelle Stimmungslage in der heimischen Musikwirtschaft treffend beschreiben. Der Erfolg von Streaming-Diensten wie Spotify, Deezer oder Apple-Music machen die durch Tauschbörsen und Torrentseiten verursachten Ausfälle schon fast wieder vergessen. So wurden 2016 insgesamt 137 Millionen Euro am österreichischen Musikmarkt erwirtschaftet. Die Umsätze mit Streaming-Abos legten um 56 Prozent auf 17,5 Millionen Euro zu und ein Ende des Wachstums ist nicht absehbar.

"Das passt nicht"

Zusätzliche Einnahmen erwartet sich die Branche von Google, dessen Videoplattform Youtube von vielen Nutzern als Musikstreaming-Dienst genutzt wird. Nicht nur in Privathaushalten, sondern auch in Cafes oder Beisl sorgt Youtube für die Musik. Allerdings kommen "lediglich fünf Prozent der heimischen Streaming-Umsätze von Youtube. Das passt nicht", sagt Thomas Böhm, vom Verband der Österreichischen Musikindustrie IFPI zum STANDARD. Dies sei eine Schieflage, die unbedingt begradigt gehöre, denn YouTube lehne "eine faire Verantwortung für die Abgeltung des Contents ab", obwohl "immense Werbeeinnahmen" durch Musikvideos erzielt werden.

"Haftungsprivileg im EU-Recht"

Rechtlich ist die Google-Tochter derzeit allerdings in sicheren Gewässern unterwegs, da sie sich auf ein "Haftungsprivileg im EU-Recht" berufen kann. Dieses sorgt dafür, vereinfacht gesagt, dass sich technische Dienstleister nicht um Urheberrechte kümmern müssen. "Eine veraltete Regelung aus der Anfangszeit des Internets", so Böhm. Die Musikindustrie hofft, dass "dieses Schlupfloch" bei der anstehenden Modernisierung des EU-Urheberrechts geschlossen wird. Die zuständigen Gremien beschäftigen sich damit, die Umsetzung kann aber noch dauern.

Über eine Milliarde US-Dollar

Bei Youtube wird naturgemäß kein Grund für höhere Zahlungen gesehen. In einer Stellungnahme gegenüber dem STANDARD betont Robert Kyncl, Chief Business Officer von YouTube, dass die Videoplattform in "den letzten zwölf Monaten der Musikindustrie über eine Milliarde US-Dollar alleine durch Werbeerlöse auszahlte." . (sum, 18.3. 2017)

  • Oftmals wird Youtube als Musikstreaming-Dienst genutzt.
    foto: apa

    Oftmals wird Youtube als Musikstreaming-Dienst genutzt.

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