Schwangerschaft kann die Schilddrüse überfordern

15. März 2017, 12:25
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Funktionsstörungen der Schilddrüse in der Schwangerschaft gefährden die Gesundheit von Mutter und Kind. Risikopatientinnen wird geraten, sich testen zu lassen

Dass die Schilddrüse einer Frau normal funktioniert ist eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde Schwangerschaft. Denn bei einem Hormonmangel ist die Entwicklung des kindlichen Gehirns gefährdet, dadurch kann es zu Früh- oder Fehlgeburten kommen. "Viele Frauen haben während der Schwangerschaft zum ersten Mal eine Funktionsstörung", erklärt Dagmar Führer, Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen.

Betroffen können alle Schwangeren sein. Risikopatientinnen sind Frauen mit einer bereits bekannten Schilddrüsenerkrankung, Typ-1-Diabetes oder anderen Autoimmunerkrankungen, ältere Schwangere und Frauen mit Übergewicht.

Ein Grund ist der um 50 Prozent erhöhte Hormonbedarf, den die gesunde Schilddrüse der Mutter abdeckt. Später produziert der Fötus das Hormon selbst. Beide benötigen hierzu Jod, das Bestandteil des Hormons ist. Jodmangel in der Schwangerschaft ist gefährlich, weil dann nicht genügend Hormon gebildet werden kann. Die Frauen sollten während der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit täglich eine Jodtablette einnehmen, rät die Expertin. Die Dosisempfehlung liegt bei 150 Mikrogramm.

Funktion testen lassen

Ein Grund für Funktionsstörungen der Schilddrüse sind Autoimmunerkrankungen, vor allem die Autoimmunthyreoiditis, bei der das Immunsystem Zellen des eigenen Körpers angreift und es zur Unterfunktion kommen kann. "Weltweite Untersuchungen zeigen, dass zwischen zwei und 17 Prozent aller Frauen mit Kinderwunsch Anzeichen für eine Autoimmunthyreoiditis und damit ein Risiko für eine Hypothyreose haben", berichtet Führer. Die Expertin rät diesen Frauen, die Funktion ihrer Schilddrüse testen zu lassen. Dies gilt auch für Schwangere, die bereits in der Vergangenheit Probleme mit der Schilddrüse hatten oder bereits eine Fehl- oder Frühgeburt erlitten haben sowie für Frauen mit starkem Übergewicht.

Der Arzt bestimmt dabei die Konzentration des Steuerhormons TSH im Blut. TSH steigert die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Bei einem Hormonmangel ist der TSH-Wert erhöht. Die TSH-Werte sind bei Schwangeren anders als bei nichtschwangeren Frauen. Zur Orientierung wurde im Januar von der amerikanischen Schilddrüsengesellschaft (ATA) ein oberer TSH-Wert von 4 mU/l angegeben, dies ist höher als zuvor, so Führer.

"Liegt ein echter Hormonmangel vor, sollte dieser unbedingt behandelt werden", rät Martin Fassnacht, Schwerpunktleiter Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Würzburg. Die Schwangere sollte täglich Levothyroxin einnehmen, ein Präparat, das natürliches Schilddrüsenhormon enthält und sehr verträglich ist. "Die Bedeutung der Schilddrüse für die Gesundheit von Mutter und Kind wird leider unterschätzt", sagt DGE-Mediensprecher Matthias M. Weber. Die Experten fordern ein risikobasiertes Screening und dass die Einnahme der Jod-Tabletten nicht mehr der Eigeninitiative der Schwangeren überlassen bleibt. (red, idw, 15.3.2017)

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