Der Rubel macht's: Russische Importe steigen

14. März 2017, 17:58
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Europas Maschinen- und Anlagenbauer profitieren von der Rubelstärke

Die Rohstoffpreise haben sich stabilisiert, folgerichtig der Rubel auch. Seit einem Jahr ist die russische Landeswährung im Aufwärtstrend. Von einem Euro-Rubel-Kurs von 1:80 Anfang 2016 ging es bis auf 1:60 herunter im Februar 2017, ehe die jüngste Ölpreisschwäche auch wieder am Rubel nagte; allerdings ist dessen Abwertung moderater verlaufen als der Rückgang beim Öl.

Die Rubelstärke hat deutliche Auswirkungen auf das Kaufverhalten sowohl der Russen als auch der russischen Konzerne. Verlief das erste Halbjahr 2016 noch für viele Importeure katastrophal – zum ohnehin schwachen Vorjahr ging es nochmals um 8,9 Prozent nach unten – so war das Defizit zum Jahresende beinahe ausgeglichen. Nach Angaben der Zollbehörde ging der Import im Gesamtjahr um gerade einmal 0,4 Prozent zurück.

Auch wenn das Minus für Österreichs Exporteure nach Russland mit 4,8 Prozent stärker ausfiel, ist Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Moskau, Rudolf Lukavsky, optimistisch: "Es gab eine klare Trendwende, schon der September und Oktober waren relativ stark", sagte er dem Standard. 2017 werde es wieder "deutlich aufwärts" gehen; sowohl beim Export als auch bei den Investitionen in Russland, ist er überzeugt.

Starker Jahresbeginn

Die neuesten Zahlen des Zolls stützen diese These: In den ersten zwei Monaten 2017 ist der Import um 26 Prozent gestiegen. Die EU bleibt wichtigster Handelspartner. Besonders nachgefragt sind Maschinen und Anlagen, die beinahe die Hälfte der russischen Einfuhren ausmachten. Auch Hersteller von Elektrogeräten und optischer Ausrüstung konnten sich über Zuwachsraten von bis zu 50 Prozent freuen. Ursache für den deutlichen Anstieg ist neben dem Rubel einerseits der niedrige Ausgangswert – vor einem Jahr hatte die Krise ihren Tiefpunkt erreicht – andererseits auch der Nachholbedarf der russischen Wirtschaft an Investitionen.

Allerdings hängt nach wie vor viel von der weiteren Entwicklung des Ölpreises ab: Während Wirtschaftsminister Wladimir Oreschkin von einem nachhaltigen Aufwärtstrend spricht und heuer zwei Prozent Wachstum erwartet, ist der frühere Vizeenergieminister Wladimir Milow pessimistischer: Der Ölpreis werde nicht weiter steigen, der Konsum sei bislang nicht angesprungen. Milow warnt daher vor einem möglichen "Fehlstart" bei den Investitionen.

Der steigende Import drückt zumindest die russische Handelsbilanz nicht nachhaltig. Die Öl- und Gasausfuhren bescherten dem Handel in den ersten zwei Monaten einen deutlichen Überschuss. (André Ballin aus Moskau, 15.3.2017)

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