Renault-Motor von Red Bull läuft noch nicht rund

14. März 2017, 13:27
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Weniger zuverlässig als Mercedes und Ferrari – Ricciardo: "Wir sind nicht ganz auf ihrem Level" – Update für Melbourne geplant

Wien – Mit neuen Regeln, die Chassis und Fahrer forcieren, und die Aussicht auf einen verbesserten Renault-Motor verbanden sich bei Red Bull die Hoffnungen, man könnte die im Vorjahr kleiner gewordene Lücke zu Formel-1-Branchenführer Mercedes schließen. Doch Renault konnte das Versprechen bisher nicht halten. Es fehle etwas die Power, gab Konsulent Helmut Marko zu. Oder ist alles nur ein großer Bluff?

Aerodynamik-Guru Adrian Newey und sein Team als Designer eines neuen Autos mit mehr Freiheiten, dazu die in den Augen von Marko stärkste Fahrerpaarung im Feld mit Daniel Ricciardo und Max Verstappen. Das nährte beim Champion der Jahre 2010 bis 2013 den Glauben, Mercedes ernsthaft fordern zu können. Doch die Realität sah bei den Tests in Barcelona zunächst anders aus.

Im Vergleich sämtlicher Bestzeiten aller Fahrer schnitt Verstappen Red-Bull-intern am besten ab, landete aber nur auf dem sechsten Platz, während sich Ricciardo mit Rang neun begnügen musste. Zwar ist die Aussagekraft dieser Zeiten vor der Saison beschränkt, weil die Teams Spritmengen und Motoreneinstellungen variieren und manche einige Teile gar nicht erst aufdecken, dennoch gibt es Kinderkrankheiten.

"Wir haben ein schönes Auto, das sehr gut in schnellen Kurven ist und das eine gute Traktion hat. Was fehlt, ist ein bisschen Zuverlässigkeit und Power", befand Marko. Fakt ist, dass bei allen Renault-Teams, bei Red Bull, Toro Rosso und dem eigenen Werksteam, der Motor stottert. Bei Red Bull heißt das Fabrikat der Franzosen nach dem Verkauf der Namensrechte übrigens wie im Vorjahr TAG Heuer.

Konkurrenz schneller und beständiger

Die Ferraris, die beiden Mercedes und auch Williams-Mann Felipe Massa waren auf dem Circuit de Catalunya nicht nur schneller, sondern auch beständiger. Laut Renault-Motorchef Remi Taffin handelte es sich um Problemchen, aber welche mit großen Auswirkungen. Renault-getriebene Teams brachten es an den acht Testtagen auf insgesamt 1.865 Runden. Mercedes und Ferrari, die auch jeweils zwei andere Rennställe ausrüsten, schafften 2.681 beziehungsweise 2.459 Runden.

"In Wahrheit sind wir näher dran, aber wir sind nicht ganz auf ihrem Level im Moment", erklärte Ricciardo. "Es ist definitiv so, dass wir fühlen, es steckt mehr in dem Auto drin. Aber ich denke, das geht wahrscheinlich allen so." Die Theorie, dass der RB13 in Melbourne mit neuen Bausteinen wesentlich anders aussehen werde, wies Ricciardo zurück. "Im Moment gibt es kein großes Geheimnis oder irgendetwas. Wir verstecken nicht zwei Sekunden in unserer Tasche."

"Wir müssen vorerst einfach die Ruhe bewahren und das Auto verbessern", klang Verstappen wenig besorgt. "Ich bin immer sehr positiv und versuche, nicht zu viel daran zu denken. Das ist, wozu die Testfahrten da sind, um alle Teile zu testen und zu sehen, wie gut sie sind, wo man sich verbessern kann", meinte der Niederländer. "Aber ich bin recht zuversichtlich, weil die Jungs von Renault schon Pläne haben, wie sie das für Melbourne ändern können, daher sollte es in Ordnung sein."

Teamchef Christian Horner sekundierte Verstappen. "Wir haben als Team noch nie die Winter-WM gewonnen. Wir haben hier und da unsere Probleme, und räumen die aus dem Weg, wenn die Saison näher kommt, tauchen dann in Melbourne auf und haben wieder einen Haufen Probleme", sagte der Brite. "Aber der RB13 sieht so aus, als könnte er die Grundlagen eines guten Autos haben", klang auch verhaltener Optimismus durch. Mercedes sei für ihn jedenfalls der Favorit.

"Melbourne wird eine interessante Geschichte", wagte Ricciardo einen Ausblick auf sein Heimrennen. "Die Ferraris sehen schnell aus, und ich bin sicher, dass auch Mercedes noch immer sehr schnell sein wird. Auch Williams hat gut ausgeschaut." Wo die Bullen-Flitzer sich mit weiteren Aerodynamik-Elementen einreihen werden, werde man sehen. Alle seine Karten hat definitiv noch kein Titelanwärter aufgedeckt. (APA; 14.3.2017)

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    foto: apa/afp/gene
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