Tauchende Mückenlarven fördern mit Methan den Klimawandel

18. März 2017, 07:53
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Larven der Büschelmücke nutzen Methanballons, um an die Oberfläche von Seen zu steigen

Genf – Dass Methan-rülpsende Rinder und Schafe einen nicht unerheblichen Beitrag zum Klimawandel leisten, ist hinlänglich bekannt. Nun hat ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Genf ein weiteres Tier identifiziert, das mit Methan-Emissionen die globale Erwärmung antreiben könnte: Eine kleine Mücke, die weltweit vorkommt: Büschelmückenlarven der Gattung Chaoborus nutzen Methan, um sich unter Wasser fortzubewegen. Das könnte das Entweichen von Methan aus Seesedimenten in die Atmosphäre fördern, berichten die Genfer Wissenschafter mit deutschen und britischen Kollegen.

Den größten Teil ihres Lebens – ein bis zwei Jahre – verbringt die Mückenart Chaoborus spp. als Larve in Seen. Tagsüber verstecken sich die Larven am Seegrund in bis zu 70 Metern Tiefe vor Räubern und vor zu großer Hitze. Nachts steigen sie zur Oberfläche auf, um zu fressen. Für das Auf- und Absteigen im Wasser nutzen sie Luftsäcke, die sie mit Gas füllen oder zusammenpressen.

Wie aber schaffen es die Larven, bei dem in rund 70 Metern Wassertiefe herrschenden Druck ihre Luftsäcke zu füllen? Dieser Frage ist das Forscherteam unter Leitung von Daniel McGinnis von der Universität Genf nachgegangen. Dabei ist sie der Rolle, die Methan für die Fortbewegung der Mückenlarven spielt, auf die Schliche gekommen.

Methanballons

"Methan ist ein Gas, das in Wasser nicht gut löslich ist", erklärte McGinnis. In sauerstoffarmen Seesedimenten käme Methan in großer Menge vor und übersteige die Aufnahmefähigkeit des umgebenden Wassers, so dass sich Bläschen bildeten.

"Wir haben deshalb vermutet, dass Chaoborus-Larven diese Gasbläschen absorbieren, um ihre Luftsäcke trotz des Wasserdrucks zu füllen und damit an die Oberfläche zu steigen", so McGinnis weiter. Tatsächlich stellten die Forschenden fest, dass Methan leicht in die Luftsäcke der Larven einströmt und sie zur Oberfläche trägt. So sparen die Larven bis zu 80 Prozent Energie, die sonst nötig wäre, um aktiv schwimmend zur Oberfläche zu gelangen, schrieb die Uni Genf.

Einmal oben angekommen, entlassen die Larven das Methan ins Wasser, wie das Forscherteam durch Experimente herausfand: Sie hielten die Larven zunächst in Behältern mit Methan-angereichertem Wasser und setzten sie dann in Gefäße mit Methan-armen Wasser. Daraufhin stieg in letzterem der Methan-Gehalt, wie die Forschenden im Fachblatt "Scientific Reports" berichten.

Vom Seesediment an die Oberfläche verfrachtet, kann das Methan leichter in die Atmosphäre gelangen. Methan gilt als deutlich stärkeres Treibhausgas als CO2. So trägt die Fliege zum Klimawandel bei.

Anzeichen für kranke Gewässer

Ganz unschuldig ist der Mensch aber auch an diesem Treibhausgasausstoß nicht: Die Mückenlarven finden sich in Gewässern mit schlechter Wasserqualität, also beispielsweise in Seen mit zu viel Nährstoffeintrag. "So faszinierend es auch ist, dieses Insekt zu studieren, die Anwesenheit von Chaoborus ist immer ein schlechtes Zeichen für die Gesundheit eines Ökosystems", so McGinnis.

Die Studie liefere einen weiteren wichtigen Grund, für die Sauberkeit und Gesundheit von See-Ökosystemen Sorge zu tragen: Eine Verbesserung der Wasserqualität, sowie eine genauere Überwachung und bessere Aufbereitung landwirtschaftlicher Abwässer würden zum Klimaschutz beitragen. Neben dem Genfer Forscherteam waren auch Wissenschafter aus Berlin, Potsdam und Swansea an der Studie beteiligt. (APA, red, 18.3.2017)

  • In Versuchen stellten Wissenschafter fest, dass die Larven der Büschelmücke Methan freisetzen und das Gas in der Wassersäule verteilen.
    foto: igb

    In Versuchen stellten Wissenschafter fest, dass die Larven der Büschelmücke Methan freisetzen und das Gas in der Wassersäule verteilen.

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