Skandal bei "Sole 24 Ore": Neuer Chefredakteur eingesetzt

14. März 2017, 11:47
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Viertägiger Streik der Redaktion beendet – Mediengruppe plant millionenschwere Kapitalaufstockung

Rom – Die schwere Krise bei der renommierten italienischen Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" ist vorübergehend entschärft. Nachdem mit Guido Gentili ein neuer Chefredakteur eingesetzt wurde, hat die Redaktion ihren viertägigen Streik beendet, wie italienische Medien am Dienstag berichteten.

Der bisherige Chefredakteur Roberto Napoletano hatte am Montag wegen des Skandals um möglicherweise geschönte Leserzahlen und finanzielle Unregelmäßigkeiten bei der renommierten italienischen Wirtschaftszeitung das Handtuch geworfen. Gentili soll die Redaktion nun interimistisch leiten, bis ein neuer Chefredakteur bestellt wird.

Streik ohne Wirkung

Die Journalisten hatten am Freitag die Arbeit niedergelegt, um den Rücktritt des seit 2011 amtierenden Napoletano zu verlangen. Gegen Napoletano und neun weitere Manager der börsennotierten Mediengruppe, die das Blatt herausgibt, laufen Ermittlungen. Die Polizei hatte am Freitag den Sitz der Mailänder Wirtschaftszeitung durchsucht.

Inzwischen bemüht sich die börsennotierte Mediengruppe um eine Kapitalerhöhung, die bis zu 100 Mio. Euro betragen sollte. Diese ist notwendig geworden, da die Verschuldung gegenüber den Banken auf 48 Millionen Euro geklettert ist. Im Fall einer Kapitalerhöhung wird der Anteil des italienischen Unternehmerverbands Confindustria – mit einem Anteil von 67,5 Prozent stärkster Aktionär der Mediengruppe – schrumpfen. Bis zu 70 Millionen Euro könnte Confindustria gezwungen werden, zur Rettung des Blatts auf den Tisch zu legen.

Gefälschte Abozahlen

Das Management der seit 2007 an der Mailänder Börse notierten Mediengruppe "Sole 24 Ore" wird beschuldigt, in den Jahren 2015 und 2016 die Zahl der verkauften Kopien nach oben korrigiert zu haben. Auch bei den digitalen Abos sollen die Zahlen gefälscht worden sein, um die Bilanzen zu schönen. Bei den Ermittlungen geht es außerdem um Unterschlagung von drei Millionen Euro, berichteten italienische Medien. (APA, 14.3.2017)

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