Chili & Pfeffer: Chinesische Nichtalltagsküche

14. März 2017, 11:37
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Szechuan-Küche ist meist scharf, wie ein Chinese in der Wiener Schottenfeldgasse jetzt beweist

Dass es in Wien mittlerweile einige richtig gute Lokale mit chinesischer Küche gibt, hat sich herumgesprochen. Längst muss man sein Gericht nicht mehr mit einer Buchstaben-Zahlenkombination bestellen, und auch der obligatorische Pflaumenschnaps hat ausgedient.

Gastronomen wie Simon Xie Hong haben bereits vor vielen Jahren gezeigt, dass chinesische Küche auch anders sein kann. Ausgefallen, innovativ und komplex im Geschmack. Dieser Spirit hat sich auch auf Xie Hongs Mitarbeiter übertragen. Einer davon hat sich jetzt mit eigenem Lokal selbstständig gemacht.

foto: alex stranig
Chaoshou-Teigtaschen (5,20 Euro)

Nan Du war fünf Jahre lang Geschäftsführer in der China Bar in der Wiener Burggasse. "Chili und Pfeffer" heißt sein neues Lokal und liegt nur fünf Gehminuten von seiner alten Wirkungsstätte entfernt. Chili und Pfeffer – vor allem Szechuanpfeffer – sind wohl die beliebtesten Gewürze der Szechuan-Küche und lassen auch eine große Vorliebe für Schärfe erkennen.

Asiaten beim Asiaten

Der Schriftzug auf der Außenfassade wirkt sehr einladend und modern. Im Eingangsbereich stehen eine große Bar und ein paar Hochtische. Der Bereich wird aktuell als Raucherzone genutzt, was nicht gerade Lust auf Essen macht. Der hintere Teil des Lokals, der bereits kurz nach der Eröffnung gut gefüllt ist, wirkt puristisch, aber gemütlich. Irgendjemand sagte einmal, es ist ein gutes Zeichen, wenn in einem asiatischen Lokal viele Asiaten sitzen. Gut, an diesem Abend sind es zumindest zwei.

foto: alex stranig
Szechuan's Bauch (5,90 Euro)

Die Speisekarte ist in die Kategorien Erde, Wasser, Himmel und Garten unterteilt und lässt das Herz des Scharfessers höher schlagen, sind doch die meisten Gerichte scharf oder zumindest leicht scharf. Wie zum Beispiel Chaoshou, hausgemachte Teigtaschen mit einer Füllung aus Shrimps und Schweinefleisch in Chili-Knoblauch-Sauce. Eine wirkliche Alternative zu den bekannten Convenience-Produkten, die man vor allem an vielen chinesischen Mittagsbuffettheken findet.

Leber statt Niere

Köstlich schmeckt der geschmorte und hauchdünn aufgeschnittene Schweinebauch, der kunstvoll um Gurkenstreifen gewickelt wurde. Die Chili-Knoblauch-Sauce findet auch hier wieder Verwendung. Nachdem die Lammniere leider aus ist, wird die Leber vom Hendl bestellt. Sie geht im Wok eine großartige Symbiose mit frischem Gemüse ein und ist so einfach wie toll.

foto: alex stranig
Hühnerleber in Flammen (7,20 Euro)

Die gegrillte Ente schmeckt eh okay, wenngleich man wieder weiß, was man an einer richtig guten Peking-Ente hat, die man auch in Wien bekommt. Serviert wird das Tier hier auf Nudeln und Gemüse.

foto: alex stranig
Roast-Ente auf Bio-Hausnudeln (14,10 Euro)

Im neuen Lokal kommen also Kohlehydratjunkies und experimentierfreudige Genießer gleichermaßen auf ihre Kosten. Und die beiden Asiaten sitzen auch noch da. Ein gutes Zeichen. (Alex Stranig, 14.3.2017)

foto: alex stranig

Chili & Pfeffer
Schottenfeldgasse 86
1070 Wien
Website

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