Kern will Wahlkampfauftritte in Österreich verhindern

13. März 2017, 22:44
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Bundeskanzler will sich Provokationen nicht gefallen lassen

Wien/Brüssel – Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) hat Montagabend bekräftigt, Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Österreich verhindern zu wollen. Beim bevorstehenden Referendum gehe es "mehr oder weniger um die Abschaffung der Demokratie in der Türkei", sagte er in der "ZiB 2" des ORF. Dass er seine Meinung zu einer entsprechenden gesetzlichen Regelung geändert habe, ließ er nicht gelten.

Kern warnte angesichts der Bilder aus Rotterdam vor bewussten Eskalationsversuchen. "Ich gehe davon aus, dass die türkische Seite möglicherweise dieses Spiel auch in Österreich fortsetzen könnte." Man könne sich nicht alles gefallen lassen, denn es sei diplomatische Usance, die Bitte auf Verzicht einer Veranstaltung zu respektieren.

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Bundeskanzler Kern im "ZiB 2"-Interview am Montagabend.

Der Kanzler räumte ein, dass die Bürgermeister hierzulande schon jetzt die Handhabe hätten, entsprechende Auftritte zu verhindern. Auf ihnen laste aber ein unheimlicher Druck. Eine entsprechende gesetzliche Regelung sei daher eine Geste, dass Österreich gemeinsam zu dieser Entscheidung stehe.

Seine Meinung habe er nicht geändert, er habe immer die Auffassung vertreten, dass man ein Problem dann lösen müsse, wenn es vorliege, sagte Kern. "Es gab nie einen Zweifel an der Haltung, dass wir solche Auftritte nicht wollen." Im Bemühen um eine europäische Lösung habe er erst am Montag mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gesprochen.

Kern will gegen Doppelstaatsbürgerschaften vorgehen

Mit der ÖVP gebe es zwar grundsätzlich den Konsens, solche Wahlkampfauftritte verhindern zu wollen. Großflächige Einschränkungen des Demonstrationsrechts könne die SPÖ aber nicht akzeptieren, habe sie dieses doch "erkämpft mit Blut".

Die Situation bei österreichisch-türkischen Doppelstaatsbürgerschaften hält Kern für "keinen haltbaren Zustand". "Die österreichische Staatsbürgerschaft sammelt man nicht wie Briefmarken." Man müsse Mittel und Handhaben finden, so der Kanzler unter Verweis auf die in Tirol gegründete Arbeitsgruppe. (APA, 13.3.2017)

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