Türkei-Debatten in ORF und ARD: Kerben in der Faschismuskeule

13. März 2017, 15:58
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Als einziger Pro-Erdogan-Vertreter und Sowohl-als-auch-Stimme blieb Turgay Taskoran in "Im Zentrum" vor allem eines: undurchsichtig

Der ungebührliche Nazivergleich ist hierzulande ja kein ganz unbekanntes Phänomen. Auch das Negieren, Abschwächen oder Alternativ-Übersetzen getätigter Wirtshausbrüller gehört zu den gut geübten Techniken populistischer Unkultur.

Immerhin für "etwas übertrieben" hielt Turgay Taskoran, Ex-UETD-Präsident und Gründer der türkischen Wahlliste "Gemeinsam für Wien", Recep Tayyip Erdogans Rundumschlag, wonach es sich bei Deutschen und Niederländern um "Naziüberbleibsel und Faschisten" handle.

Als einziger Pro-Erdogan-Vertreter und Sowohl-als-auch-Stimme blieb Taskoran in Im Zentrum aber vor allem eines: undurchsichtig. Mild lächelnd wurde relativiert, während sich die Diskussion auf europäische Selbstkritik verlagerte. Man sei schon immer unehrlich gewesen, was einen EU-Beitritt der Türkei betrifft, monierte etwa Ex-EU-Parlamentarier Hannes Swoboda (SPÖ).

Mehr Tagesaktualität versprach Anne Will, wo der türkische AKP-Minister für Jugend und Sport, Akif Çagatay Kılıç, und CDU-Kanzleramtsminister Peter Altmaier aufeinandertrafen. Auch hier war die Faschismuskeule Thema: "Was gesagt wurde, ist, dass Deutschland Methoden benutzt hat, die an Nazimethoden erinnern", reformulierte Kılıç, der zwar perfekt Deutsch spricht, aber immer dann ins Türkische wechselte, wenn es unangenehm wurde oder das anstehende Referendum zu bewerben war.

Eine Masche, die Altmaier zwar nicht bekrittelte, aber doch durchschaute. Er griff zur Symbolik und klinkte sich kurz ein ins Populistenspiel. Sichtlich angestrengt kramte er für eine Solidaritätserklärung an das Nachbarland ein paar Sätze auf Niederländisch hervor. (Stefan Weiss, 13.3.2017)

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