Wie Saatgutbeizung und Pestizide Bodenorganismen beeinflussen

13. März 2017, 13:49
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Wiener Forscher untersuchten Wechselwirkungen mehrerer Wirkstoffe und berichten von verringerter Abbautätigkeit im Boden

Wien – Die Behandlung von Saatgut mit Pestiziden beeinträchtigt nicht nur Bienen und andere Bestäuber, sondern auch Bodenorganismen. Wie Wiener Forscher in zwei Studien zeigen, nimmt dadurch die Abbautätigkeit im Boden ab, die Aktivität von Regenwürmern geht zurück. Verstärkt werden diese negativen Folgen der Saatgut-Beizung durch Behandlung mit einem Glyphosat-Herbizid, so die Forscher in den Fachjournalen "BMC Ecology" und "Frontiers in Plant Science".

Landwirtschaftliches Saatgut ist häufig mit Pestiziden und Fungiziden behandelt, um die jungen Pflanzen vor Insektenfraß oder Pilzerkrankungen zu schützen. In Verruf geraten sind dabei Neonicotinoide, die mit dem Massensterben der Bienen in Europa in Zusammenhang gebracht werden und daher von der EU-Kommission 2013 teilweise verboten wurden. Zusätzlich zur Saatgut-Beizung werden auf den Äckern weitere Pestizide ausgebracht, etwa zur Unkrautkontrolle.

Unterschiedliche Reaktionen

Um die bisher Wirkungen dieser unterschiedlichen Pestizidgruppen auf Bodenorganismen zu erforschen, haben Forscher der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien zwei Glashausversuche durchgeführt: In einem Experiment wurden in 28 Liter fassenden, mit Regenwürmern bestückten Versuchstöpfen Weizensamen, die mit Insektiziden und Fungiziden gebeizt waren, in der praxisüblichen Saatstärke angesät. Nach der Ernte wurde in einem zweiten Experiment in der selben Erde erneut gebeiztes Saatgut angesät und später noch ein Glyphosat-Herbizid ausgebracht.

Es zeigte sich, dass verschiedene Bodenorganismen unterschiedlich reagieren: Nach einmaliger Aussaat mit gebeiztem Saatgut zeigten Springschwänze und Bodenmikroorganismen eine erhöhte Aktivität. "Die Springschwänze vermieden tiefere Bodenschichten und tummelten sich vermehrt an der Oberfläche", sagt Johann Zaller von der Boku. Durch die Beizung würden auch Nährstoffe in den Boden kommen, die zu einer Stimulierung der Mikroorganismen führen könnten. Dennoch war die Abbautätigkeit im Boden reduziert. Regenwürmer blieben nach dem ersten Experiment unbeeinflusst.

Regenwürmer in Bedrängnis

Nach der zweiten Aussaat von gebeiztem Saatgut ging dagegen die Aktivität der Regenwürmer zurück, während die Mikroorganismen im Boden unverändert blieb, diese hätten sich offensichtlich bereits an das neue Milieu angepasst, so Zaller. Als "vielleicht wichtigstes Ergebnis" der Studien nannte der Forscher, dass die negative Wirkung der Saatgut-Beizung speziell auf die Regenwürmer durch Glyphosat-Herbizide noch verstärkt wurde. Solche Kreuzwirkungen würden bei der Zulassung von Pestiziden nicht untersucht. Zaller: "Man konzentriert sich nur auf einzelne Wirkstoffe, wie sich mehrere davon beeinflussen, ist ein komplett weißer Fleck".

Der Ökologe gibt zu bedenken, dass diese Effekte von nur 18 gebeizten Weizenkörnern in relativ großen Versuchstöpfen ausgelöst wurden. Zudem würden sich die Pestizide in der Praxis durch jährliche Anwendungen im Boden ansammeln und könnten dort langfristig wirken. (APA, 13.3.2017)

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