Eisenwerk verliert wegen fehlender Mitarbeiter Aufträge

13. März 2017, 11:11
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Die Auftragsbücher des Eisenwerks Sulzau-Werfen sind voll. Der Familienbetrieb könnte noch weit mehr produzieren. Doch es mangelt an Personal

Tenneck/Wien – Heiß geht es in diesen Fabriksräumen in Tenneck bei Werfen zu. Es zischt und brodelt in geräumigen Öfen. Durch die Hallen schweben gigantische, glühende Nudelwalker. Titanen könnten damit ihren Götterteig auswalzen. Riesige Hightechwalzen sind es tatsächlich, die im Eisenwerk Sulzau-Werfen hergestellt werden. Doch finden sie ihren Einsatz nicht in Backstuben. Mit ihnen werden weltweit in stahlverarbeitenden Betrieben Bleche auf eine Dicke von einem Millimeter und weniger gewalzt.

Um die 2000 Stück pro Jahr verlassen das Werk vom Pongau aus. Die Exportrate liegt bei 98 Prozent. Kleine Walzen bringen es auf schlanke drei Tonnen, große Kaliber wiegen bis zu 40 Tonnen und müssen mit Sondertransportern verfrachtet werden. "Dabei könnten wir aufgrund der starken Nachfrage noch viel mehr produzieren", sagt Unternehmenschef Georg Hemetsberger im Gespräch mit dem STANDARD. Wenn es nicht an Wesentlichem für die Fertigung hapern würde: "Wir suchen händeringend neues Personal."

Trotz eines sehr schwierigen Marktumfelds in der weltweiten Stahlindustrie konnte ESW im Vorjahr den Umsatz von 65 auf 70 Millionen Euro hochschrauben. Die Auftragsbücher für das laufende Jahr seien bereits voll.

Viele offene Stellen

Neue Walzenbestellungen könnten nur mehr mit Lieferdatum 2018 angenommen werden, berichtet Hemetsberger. Mit einer Umstellung von einem Drei- auf einen Vierschichtbetrieb könnte die Nachfrage zwar schneller befriedigt werden. Doch das Grundproblem ist damit nicht gelöst: zu wenige Mitarbeiter. Bereits im Vorjahr stieg deren Zahl von 265 auf 280. "Zehn Personen könnten wir sofort aufnehmen", betont der Firmenchef.

Doch es mangele in ganz Österreich an gelernten Zerspanungstechnikern für die Metallverarbeitung an Dreh- und Fräsmaschinen und CNC-Bearbeitungszentren im Schichtbetrieb. Das sei ein branchenweites und internes Ausbildungsversäumnis, gibt er zu. ESW bilde mittlerweile pro Jahr drei bis vier Nachwuchskräfte aus. Aber eine gute Ausbildung brauche nun einmal ihre Zeit.

Die Suche nach Fachkräften in herkömmlichen Printmedien und auf Onlineplattformen sei angesichts geringer Resonanz bisher frustrierend gewesen. Über das Niveau der vom Arbeitsmarktservice vermittelten Leute will Hemetsberger lieber keine Worte verlieren. Dabei sei der Walzenhersteller, der "eine attraktive Entlohnung und Sozialleistungen als interessante Benefits" verspricht, durchaus bereit, auch in Mitarbeiter verwandter Berufe zu investieren und sie in das Spezialgebiet einzuschulen.

Der Bedarf soll so weit wie möglich mit Arbeitskräften aus der Region gedeckt werden. Im Stundentakt hielten Züge im Tennecker Bahnhof. "Für Leute, die nicht aus der Gegend stammen und sich vorstellen können, hier ansässig zu werden, steht für die Übergangszeit ein kostenloses Gästehaus zur Verfügung", sagt Hemetsberger.

Jetzt will das Eisenwerk, dessen Wurzeln bis auf das Jahr 1770 zurückgehen und das sich seit 1899 im Besitz der Familie Weinberger befindet, bei der Personalsuche neue Wege gehen. "Wir wollen auf Facebook und anderen sozialen Medien auf uns aufmerksam machen." Mit welchen Inhalten man die richtigen Leute dort abholen kann, daran werde gerade intensiv gearbeitet. "Denn wegen Personalmangels Aufträge zu verlieren – das schmerzt", sagt Hemetsberger. (Karin Tzschentke, 13.3.2017)

  • Das Eisenwerk Sulzau-Werfen zählt zu den führenden Herstellern von Hightechwalzen aus Stahl. Gut verpackt werden die Teigrollen ähnelnden Produkte in alle Welt verschickt.
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    Das Eisenwerk Sulzau-Werfen zählt zu den führenden Herstellern von Hightechwalzen aus Stahl. Gut verpackt werden die Teigrollen ähnelnden Produkte in alle Welt verschickt.

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