"Arabella": Die Zwischentöne im Rausch

12. März 2017, 16:37
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Richard Strauss' Oper an der Wiener Staatsoper

Wien – Man kann endlos darüber debattieren, ob bei einer Oper die szenische oder die musikalische Seite bedeutender ist. Als Gesamtkunstwerk funktioniert sie jedoch nur, wenn beide einander durchdringen. Das ist im Repertoirebetrieb schwer. Sven-Eric Bechtolf gab 2006 seiner Arabella-Regie psychologisches Potenzial, das sich auch mit neuen Personen aktivieren lässt.

Das gelang am Samstag in der Staatsoper weitestgehend. Wolfgang Bankl gab den Waldner schon mit vordergründig gemütlichem Wiener Tonfall behäbiger Lächerlichkeit preis, Stephanie Houtzeel decouvrierte als Adelaide Opernpathos als leere Gefühlshülle. Norbert Ernst, Rafael Fingerlos und Sorin Coliban als Elemér, Dominik und Lamoral gelang es, die drei gräflichen Verehrer emotional schablonenhaft, aber in sich stimmig wirken zu lassen. Daniela Fally als Fiakermilli war wieder eine Klasse für sich: Ihre Karikaturen ließen die Skurrilität der Figur fast vergessen.

Doppelbödigkeit

Strauss und sein Librettist Hugo von Hofmannsthal haben einiges an Ironie und Doppelbödigkeit in ihr Werk gelegt. Zum Vorschein kamen diese vor allem auch deshalb, weil mit Peter Schneider der ideale Routinier am Dirigentenpult stand, der aufmerksam jeden Winkel der Partitur ausleuchtete und im Orchester entsprechende Aufmerksamkeit fand.

Natürlich wurde da ausladend schön gespielt, doch ließen sich auch die kleinen Motive etwa der Klarinette oder des Horns als Kommentarebene verfolgen, die es unter dem schönen Schein ordentlich rumoren ließen. Hier versteckte Strauss manchmal geradezu Kakofones und jedenfalls Beunruhigendes. Dirigent und Orchester ließen diese Subtilitäten innerhalb des Rauschhaften wunderbar zur Geltung kommen.

Zwischentöne

Zwischentöne fanden auch die Liebespaare: Als Matteo strengte sich Herbert Lippert vergeblich für die Titelheldin an, der Camilla Nylund eine gänzlich lyrische Erscheinung gab. Als Zdenko/Zdenka wechselte Chen Reiss hinreißend zwischen burschikosem Gehabe und weiblicher Aufwallung, und Bo Skovhus gab den Mandryka als kraftstrotzende, fragile, warmherzige Naturerscheinung: szenisch und musikalisch völlig im Einklang. (Daniel Ender, 12.3.2017)

Nächste Termine am 14., 17. und 20. 3.

Wiener Staatsoper

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