Sparen im Kindergarten: Eltern protestieren gegen Gruppenschließung

13. März 2017, 09:50
61 Postings

Das Land Oberösterreich zahlt nicht mehr, die Caritas kann nicht und die Gemeinde Leonding will nicht zahlen

Linz – Auf den ersten Blick scheint das junge Familienglück perfekt: eine moderne Wohnung mit ausreichend Spielraum für den viereinhalbjährigen Ferdinand, viel Grün vor der Haustür, der elterliche Arbeitsplatz nicht weit entfernt und vor allem eine optimale Kinderbetreuung in Gehweite. Doch genau dort beginnt das Problem für Familie Laister und zahlreiche andere betroffene Eltern in Leonding bei Linz.

Der nahe heilpädagogische Kindergarten St. Isidor – Träger ist die Caritas Oberösterreich – sieht sich nämlich gezwungen, eine der beiden Integrationsgruppen mit Herbst 2017 zu schließen. Hintergrund ist eine Änderung im Kinderbetreuungsgesetz die besagt, dass künftig pro heilpädagogische Kindertageseinrichtung nur mehr eine Integrationsgruppe vom Land finanziert wird.

Ablehnung im Gemeinderat

Der finanzielle Rückzug soll zwar schrittweise passieren, dennoch sieht sich die Caritas bereits jetzt außerstande, die Finanzierung von zwei Integrationsgruppen zu gewährleisten.

Im Juni des Vorjahres klopfte man dann vonseiten der Caritas mit einer Darstellung des Finanzierungsbedarfes – maximal 61.000 Euro wären pro Jahr künftig noch nötig – an die Tür des zuständigen Leondinger Bürgermeisters Walter Brunner (SP). Im Rathaus fiel aber letztlich der Gemeinderatsbeschluss, nicht die Kosten für einen privaten Träger zu übernehmen, da es genügend freie Plätze im gemeindeeigenen Kindergarten gebe.

Nach jetzigem Stand müssten zwölf "Regelkinder" mit Herbst die Einrichtung wechseln. Für die Kinder mit Beeinträchtigung strukturiert die Caritas hingegen intern um und öffnet eine vierte heilpädagogische Gruppe.

Im Elternverein gehen jetzt die Wogen hoch. "Es ist ein reiner Willkürakt des Bürgermeisters. Es gibt laut Entwicklungskonzept auch nicht ausreichend Betreuungsplätze für alle Leondinger Kinder", ärgert sich Christian Laister im STANDARD-Gespräch. Vor allem aber sei es für die Kinder eine Katastrophe: "Sie werden einfach aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen."

Der Leondinger Bürgermeister sieht sich hingegen im Recht: "Das Finanzierungsloch im laufenden Betriebsjahr in der Höhe von 24.500 Euro übernimmt die Gemeinde. Die von Isidor gewünschte komplette Abgangsdeckung – auch für nicht Leondinger Kinder – ist für uns nicht nachvollziehbar." Zugesichert wird vonseiten der Stadt aber, dass die betroffenen Kinder "gemeinsam in einem Betrieb Platz finden". Spannend hierbei: Zwei andere private Kindergärten werden von städtischer Seite finanziell unterstützt.

"Politischer Kleinkrieg"

Vonseiten der Caritas bedauert man die politische Entscheidung. "Wir treten dafür ein, Integration und Inklusion zu fördern. Wir hoffen sehr darauf, dass die zuständigen Behörden diese Zielsetzung künftig nicht noch mehr dem Sparstift opfern", so Caritas-Geschäftsführerin Maria Sumereder.

Bei den Eltern bleibt der Frust. Laister: "Es gibt keine vernünftigen Gründe, die dieses Handeln rechtfertigen. Dass der rote Bürgermeister den politischen Kleinkrieg gegen die schwarze Caritas auf dem Rücken unserer Kinder austrägt, zeugt von außerordentlicher Skrupellosigkeit." (Markus Rohrhofer, 13.3.2017)

  • Bald könnten sich die Reihen in der Garderobe lichten, denn einer Integrationsgruppe im Caritas-Kindergarten St. Isidor droht die Schließung
    apa/herbert pfarrhofer

    Bald könnten sich die Reihen in der Garderobe lichten, denn einer Integrationsgruppe im Caritas-Kindergarten St. Isidor droht die Schließung

    Share if you care.