Bund schenkt Salzburg 186 Gemälde

10. März 2017, 17:22
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Formale Übereignung anlässlich 200 Jahre Angliederung Salzburgs an Österreich

Wien – Das monatelange Gefeilsche hat ein Ende: Im Zuge einer Pressekonferenz gab Kulturminister Thomas Drozda am Freitag bekannt, dass 186 Kunstwerke aus Bundesbesitz in das Eigentum des Landes Salzburg übergehen. Damit brachte Landeshauptmann Wilfried Haslauer zuwege, woran seine Vorgänger gescheitert waren. Der Disput um Vermögenswerte, die das einstige Fürstentum Salzburg bis zur Angliederung an Österreich 1816 sein Eigen nannte, schwelte seit Jahren.

Im Wesentlichen geht es dabei um Liegenschaften, historische Gebäude sowie Kunstwerke und Objekte, die zuerst an die Habsburger fielen und nach dem Ende der Monarchie in Staatsbesitz übergingen. Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums forderte Haslauer die "Rückgabe bestimmter Kulturgüter bzw. -denkmäler", die sich "im Eigentum der Wiener Zentralisten" befinden, wie der STANDARD berichtete.

Bereits im Dezember 2016 kündigte Drozda die Schenkung der Festung Hohensalzburg, der Neuen Residenz und weiterer vier Liegenschaften an. Dazu gehörten auch 88 Einrichtungsgegenstände und Objekte aus dem Bestand der Bundesmobilienverwaltung.

Als bedeutend heikler entpuppte sich die Mission im Falle der Kunstwerke aus den Sammlungen des Kunsthistorischen Museums (KHM) und des Belvedere. Dem Vernehmen nach soll sich die ursprüngliche Forderung Salzburgs auf fast 400 Exponate belaufen haben, darunter auch Schlüsselwerke, deren Abwanderung herbe Lücken in die Sammlungsbestände des Bundes gerissen hätte.

Dazu gehörten die erst 2013 aufwändig restaurierten Altartafeln Rueland Frueaufs d. Ä. aus dem Belvedere, deren Aufbewahrung eine konservatorische Herausforderung darstellt. Oder auch das seit dem Bau des KHM 1867/68 in den Boden eingelassene Theseusmosaik (4. Jh. n. Chr.) aus der Antikensammlung, dessen Abnahme und Neuverlegung Salzburg angeregt hatte. Zwei von mehr als 200 unerfüllten Wünschen.

belvedere museum
Die 2013 aufwändig restaurierten Altartafeln von Rueland Frueauf d. Ä bleiben im Belvedere. Sie werden im Zuge der Ausstellungsserie "Meisterwerke im Fokus" ab Herbst (23.11. bis 18.3.2018) zu sehen sein.

Bei den nun formal dem Land übertragenen Werken handelt es sich weitestgehend um solche, die sich bereits seit geraumer Zeit vor Ort in den Prunkräumen der Residenz und in Museen befinden. Viele der Gemälde – 169 davon aus dem KHM, 17 aus dem Belvedere – waren bis 1816 in Salzburg beheimatet, manche datieren aus späterer Zeit bis in das 20. Jahrhundert hinein.

Der einstige Kulturgüterbestand wird, wie man weiters verlautbarte, in den nächsten fünf Jahren in einer digitalen Datenbank erfasst und damit rekonstruiert. Dafür wurden 70.000 Euro jährlich budgetiert, die je zur Hälfte von Bund und Land getragen werden. (Olga Kronsteiner, 10.3.2017)

  • Eine der vier Salzburg-Ansichten ("Das Salzachtal im Süden der Stadt Salzburg", 1796) des Künstlers Albrecht Christoph Dies (1755-1822), die nun offiziell aus dem Bestand des Belvedere nun nach Salzburg abwandern.
    foto: belvedere

    Eine der vier Salzburg-Ansichten ("Das Salzachtal im Süden der Stadt Salzburg", 1796) des Künstlers Albrecht Christoph Dies (1755-1822), die nun offiziell aus dem Bestand des Belvedere nun nach Salzburg abwandern.

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