Putin lobt Kooperation mit Türkei zu Syrien als effektiv

10. März 2017, 16:53
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Russlands Präsident: So vertrauensvollen Dialog habe niemand erwartet

Vom größten Feind zum wichtigsten Partner: Vor gut einem Jahr, nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets an der türkisch-syrischen Grenze, klagte Russlands Präsident Wladimir Putin, Allah habe der türkischen Führungsclique den Verstand geraubt. Inzwischen hat der Kremlchef seinen türkischen Kollegen Tayyip Erdogan – auch dank knallharter Sanktionen – wieder zur Vernunft gebracht.

Beim Treffen der beiden am Freitag in Moskau war von der damaligen Verstimmung jedenfalls nichts mehr zu spüren: "Wir sind froh, dass sich unsere zwischenstaatlichen Beziehungen so schnell erholen", ließ Putin seinen Gast wissen. Besonders lobte er die Zusammenarbeit auf militärischem Gebiet und bei den Geheimdiensten: "Wir arbeiten aktiv an der Lösung der schärfsten globalen Probleme, vor allem in Syrien", sagte er.

"Schutzschild Euphrat"

Der Verständigung in Syrien ging ein schwieriges diplomatisches Tauziehen voraus. "Ohne einander können wir in Syrien nichts erreichen", beschreibt der Politologe Juri Mawaschew die Einsicht, die sich inzwischen sowohl in Ankara als auch in Moskau durchgesetzt hat. Die Türkei sei als direkter Nachbar Syriens mit der längsten Grenzlinie ein wichtiger Akteur im Nahoststaat. Auf der anderen Seite hätte die türkische Militäroffensive in Nordsyrien unter dem Operationsnamen "Schutzschild Euphrat" ohne russische Zustimmung nicht stattfinden können, erläuterte Mawaschew.

Das Entgegenkommen Moskaus hat allerdings enge Grenzen, muss der Kreml doch auch die von Ankaras Wunsch nach mehr Einfluss in der Region divergierenden Interessen in Damaskus und Teheran miteinander koordinieren. Konkrete Ankündigungen über die weitere Syrien-Strategie blieben daher beim Treffen aus.

Rüstung und Energie

Mehr zu bieten hatte Putin da im Bereich Wirtschaft: Die immer noch teilweise bestehenden Sanktionen sollen schneller abgebaut werden. Erdogan nannte zudem die Rüstungsindustrie und den Energiesektor als Möglichkeiten für eine Erweiterung der Zusammenarbeit. Die Realisierung der Pipeline Turkstream entwickle sich immer schneller, versicherte Erdogan. Spekulationen über den Kauf russischer Luftabwehrsysteme vom Typ S-400, die vor dem Treffen von türkischer Seite gestreut wurden, bestätigten sich hingegen nicht. Experten hatten dies ohnehin als unwahrscheinlich bezeichnet. (André Ballin aus Moskau, 10.3.2017)

  • Tayyip Erdoğan (link) und Wladimir Putin am Freitag in Moskau.
    foto: ap photo/alexander zemlianichenko

    Tayyip Erdoğan (link) und Wladimir Putin am Freitag in Moskau.

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