Worum es im Skandal um Südkoreas Präsidentin geht

    10. März 2017, 14:13
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    Die Vorwürfe gegen Park Geun-hye und ihre Vertraute Choi Soon-sil im Überblick

    Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye wurde am Freitag endgültig ihres Amtes enthoben. Drei Monate nach Beginn des Verfahrens durch das Parlament urteilte am Freitag auch das Verfassungsgericht gegen Park, die wegen einer Korruptionsaffäre unter Druck geraten war. Nun muss binnen 60 Tagen ein neuer Staatschef gewählt werden. Die Vorwürfe gegen Park im Überblick:

    Wer ist Parks Freundin und Mitangeklagte Choi Soon-sil?

    foto: reuters/kim hong-ji
    Choi Soon-sil im Gerichtssaal.

    Die abgesetzte Präsidentin und die Tochter Choi Tae-mins, des Anführers der Sekte "Kirche des ewigen Lebens", kennen einander seit ihrer Jugend. Choi Soon-sils Vater Choi Tae-min gilt als Mentor Parks, die 1974 im Alter von 22 Jahren als First Lady Südkoreas einspringen musste. Damals tötete ein nordkoreanischer Agent beim Versuch, ihren Vater, den damaligen Militärdiktator Park Chung-hee, zu ermorden, ihre Mutter Youk Young-soo.

    foto: reuters/the saenuri party
    Familie Park auf einem undatierten Archivbild. Die zukünftige Präsidentin steht neben ihrem Vater.

    Der Sektenführer soll großen Einfluss auf den Diktator ausgeübt haben und häufte unter dessen Herrschaft ein großes Vermögen an, bis Park Chung-hee 1979 bei einem Putschversuch von seinem eigenen Geheimdienstchef ermordet wurde – angeblich auch, weil dieser befürchtete, der "Koreas Rasputin" genannte Choi manipuliere den General.

    • Was wird der Freundin der Präsidentin vorgeworfen?

    Am 20. November 2016 erhoben die südkoreanischen Behörden Anklage gegen Choi Soon-sil wegen Erpressung, versuchten Betrugs und Machtmissbrauchs. Ihr wird vorgeworfen, ihre Beziehungen zur Präsidentin benutzt zu haben, um südkoreanischen Konzernen Millionenspenden für ihre Stiftungen abzupressen. Acht Unternehmen, darunter der Mischkonzern Samsung, haben Zahlungen an die Stiftungen eingeräumt, behaupten aber, keine Gegenleistungen dafür erhalten zu haben.

    Außerdem wurden auf einem ungesicherten Tablet, das in einem Büro Choi Soon-sils sichergestellt wurde, geheime Regierungsdokumente entdeckt.

    Gerüchte, sie habe im "Blauen Haus", dem Seouler Präsidentenpalast, schamanische Rituale abgehalten, konnten nicht bestätigt werden.

    Was sagen die Beschuldigten?

    Beide Angeklagten haben sich öffentlich entschuldigt – wofür genau, ist allerdings weiter unklar. Präsidentinnenfreundin Choi erklärte bei ihrer ersten Einvernahme im Oktober, sie habe ein "unverzeihliches Verbrechen" begangen. Ihr Anwalt erklärte umgehend, das sei nicht als Geständnis im juristischen Sinn gemeint gewesen.

    foto: apa/afp/jung yeon-je
    Demonstranten feiern Park Geun-hyes Amtsenthebung.

    Präsidentin Park hat eingestanden, Choi um Rat gefragt und sie um Hilfe bei der Erstellung von Redemanuskripten gebeten zu haben – allerdings lediglich zu Beginn ihrer Amtszeit, als sie noch keinen geeigneten Beraterstab hatte. Zeugenaussagen widersprechen jedoch ihren Angaben. (bed, 10.3.2017)

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