Jungameisen lernen noch vor dem ersten Ausgang, welche Blätter zu meiden sind

12. März 2017, 17:53
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Abfall in den Nestern liefern die entscheidenden Informationen

Würzburg – Im Unterschied zu den meisten anderen Ameisenarten, die vor allem von tierische Proteinen leben, haben Blattschneiderameisen eine sehr spezielle Diät entwickelt. Die in den Tropen und Subtropen Amerikas lebenden rund 40 Spezies dieser Ameisengruppe ernten Blätterstücke und bringen sie in ihren Bau, wo sie zum Substrat für ausgedehnte Pilzgärten werden.

Diese sorgsam gepflegten Pilze dienen den Ameisen als ausschließliche Nahrung. Die Symbiose zwischen den Pilze und den Insekten ist so eng, dass beide ohne einander nicht mehr existieren können.

Erweist sich eine Pflanze als ungeeignet für den Pilzanbau, wird sie nicht mehr gesammelt. Wie aber lernen die Tiere, von welchen Blättern sie lieber ihre Klauen lassen sollen? Ein Team um Andrés Arenas und Flavio Roces von der Universität Würzburg hat nun eine Antwort darauf gefunden: Um zu verhindern, dass die Jungameisen frühere Fehlgriffe wiederholen, erfahren sie alles Nötige, noch ehe sie erstmals ihren Bau verlassen.

Abfall als Lehrmaterial

Für ihre Experimente haben die Forscher im Labor zwei kleine Kolonien aus rund 1.000 Arbeiterameisen aufgebaut. Einer der beiden Kolonien boten sie mit fungiziden behandelte Ligusterblätter an. Die andere Kolonie bekam unbeeinträchtigte Blätter. Im Anschluss konfrontierten sie ungelernte Blättersammler beider Kolonien mit Abfällen aus Pilzgärten des jeweils anderen Nestes.

Es zeigte sich, dass die Jungameisen, die Kontakt mit den fungizidbehandelten Blätterabfällen hatten, außerhalb ihres Baues fortan Liguster generell mieden. Die Biologen schlossen daraus, dass allein der Kontakt mit Abfällen aus den Pilzfarmen reicht, um jungen Ameisen beizubringen welche Blätter ungeeignet sind. "Offensichtlich beinhalten Abfälle aus den Pilzfarmen wichtige Informationen, die die Sammlerameisen für ihre Blätterwahl außerhalb des Nestes zu nutzen wissen", meint Arenas. (red, 12.3.2017)

  • Der Abfall in den Kolonien liefert jungen Blattschneiderameisen (hier für die Untersuchungen farblich markiert) wertvolle Informationen darüber, welche Blätter gut für ihre Pilzgärten sind und welche nicht.
    foto: erik frank

    Der Abfall in den Kolonien liefert jungen Blattschneiderameisen (hier für die Untersuchungen farblich markiert) wertvolle Informationen darüber, welche Blätter gut für ihre Pilzgärten sind und welche nicht.

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