Büromarkt Wien: Trendwende beim Neuflächenangebot

10. März 2017, 09:52
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Nach Jahren sinkender Neuflächenproduktion gibt es am Wiener Büromarkt heuer wieder Zuwächse. Analysten erwarten ein starkes Vermietungs- und Investmentjahr 2017

Wien – Der Wiener Büromarkt hat 2016, was die Vermietungsleistung betrifft, überraschend gut performt. Nach Berechnungen des Vienna Research Forum (VRF), dem die sieben größten Maklerunternehmen Wiens angehören und das 2016 erstmals akkordierte Zahlen präsentiert hat, wurden im Gesamtjahr 2016 rund 270.000 m² an modernen Büroflächen gemäß VRF-Definition (zumindest 50-prozentige Büronutzung im Gebäude, Fertigstellung oder Sanierung ab 1990, Lift im Haus) angemietet. Allein im vierten Quartal lag die Vermietungsleistung demnach bei 70.700 m².

Der Gesamtbestand an modernen Flächen in Wien wird vom VRF aktuell mit knapp 5,6 Millionen Quadratmetern angegeben. Bevor sich die Maklerhäuser dazu aufrafften, gemeinsam eine neue Basis nach internationalen Gepflogenheiten zu berechnen, war stets von einem Gesamtbestand von knapp elf Millionen Quadratmetern die Rede.

Alte Basis in Verwendung

So manches große Maklerhaus rechnet auch weiterhin mit dieser Basiszahl. CBRE etwa meldete im Jänner – obwohl Mitglied im Vienna Research Forum, so wie auch Otto Immobilien, EHL, BAR, Colliers, ÖRAG und Spiegelfeld – einen Gesamtbestand von 10,92 Millionen Quadratmetern und eine Vermietungsleistung von 329.000 m² im Jahr 2016. Bei EHL war ebenfalls im Jänner von 300.000 m² die Rede. Laut EHL-Chef Michael Ehlmaier wird es noch einige Quartale dauern, bis man in allen Kennzahlen auf einem gemeinsamen VRF-Nenner ist.

Bis dahin gibt es auch, was die Menge an neuen Flächen betrifft, die auf den Markt kommen, unterschiedliche Zahlen. Unisono vermerkte man 2016 jedenfalls einen Tiefpunkt bei nur noch 22.400 m² (Otto) bis maximal 60.000 m² (EHL und CBRE). 2017 soll es aber rasant aufwärtsgehen: Bei Otto erwartet man Fertigstellungen im Ausmaß von 143.000 m², bei CBRE und EHL sind es sogar 160.000 m². Die größten Projekte, die keine Eigenentwicklungen sind und heuer bezogen werden können, sind Square Plus 1 in Heiligenstadt (28.000 m²), der Orbi Tower in Erdberg (21.600 m²), Denk 3 beim Prater (22.500 m²) und Quartier Belvedere Central 3 und 4 beim Hauptbahnhof (32.000 m²).

2018 dürfte die Neuflächenproduktion sogar auf mehr als 300.000 m² steigen, dann kommen nämlich sowohl der Austria Campus (200.000 m²) als auch The Icon (74.200 m²), beides Entwicklungen der Signa Holding, auf den Markt.

Im letztgenannten Objekt fand auch die größte (Vor-)Vermietung des vergangenen Jahres statt; die Bawag mietete sich auf 28.000 m² in The Icon ein.

Starker öffentlicher Sektor

Vor allem auch wegen dieses Deals war das Segment Banken und Versicherungen im Vorjahr für 21 Prozent der gesamten Vermietungsleistung in Wien verantwortlich. Ebenfalls einen recht großen Anteil hatte mit 17 Prozent die Gruppe der Rechtsanwälte sowie Unternehmens- und Wirtschaftsberater.

Der größte Kuchen entfiel im Vorjahr aber auf Mieter aus dem öffentlichen bzw. halböffentlichen Bereich. Wie stark diese 2016 als Büromieter aktiv waren, zeigt eine Auswertung von Otto Immobilien für den Standard. Demnach beliefen sich jene elf Anmietungen aus diesem Sektor, die mehr als 1000 Quadratmeter betrafen, auf insgesamt 52.125 Quadratmeter und somit fast ein Fünftel aller (von Otto gezählten) Anmietungen. Die größte davon war die Einmietung der Wiener Magistratsabteilungen 11 und 40 in ein neu errichtetes Gebäude in der Seestadt Aspern (Seeparkcampus West) im Ausmaß von 11.000 m², Nummer zwei war die Anmietung von 10.000 m² im Quartier Lände 3 der CA Immo durch den Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

An dritter Stelle lag die Vermietung von 8500 m² in dem noch in Bau befindlichen Büroobjekt Denk Drei beim Prater (siehe Bild) an die BIG. Laut EHL war der öffentliche bzw. halböffentliche Sektor im Vorjahr sogar für 23 Prozent der Vermietungsleistung verantwortlich. (Martin Putschögl, 10.3.2017)

  • Das Büroobjekt Denk Drei in der Viertel-Zwei-Erweiterung beim Prater wurde bereits von der Bundesimmobiliengesellschaft erworben, die auf einem Drittel der dort entstehenden 25.000 m² selbst einzieht.
    visualisierung: ic projektentwicklung

    Das Büroobjekt Denk Drei in der Viertel-Zwei-Erweiterung beim Prater wurde bereits von der Bundesimmobiliengesellschaft erworben, die auf einem Drittel der dort entstehenden 25.000 m² selbst einzieht.

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