Wie Kinder durch Lieder Sprache lernen

10. März 2017, 12:19
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"Babaku, der lustige Ohrwurm" heißt eine CD-Reihe mit Kinderliedern, die mehr will, als gute Laune zu verbreiten

Mit speziell für Kinder erdachter und gemachter Musik ist es ja so eine Sache. Sie kommt oft mit den besten pädagogischen Absichten daher und ist – unter uns gesagt – meist nicht zum Anhören. Viele Eltern und andere sogenannte Erziehungsberechtigte reagieren recht bald allergisch auf das zum Mitklatschen, Mitschunkeln und Mitsingen kleiner Menschen ausgerichtete Liedgut. Das Kind ist in der Noch-einmal-Schleife gefangen, Mutter und Vater sehnen sich nach Ruhe, nein, nach Stille. "Die CD ist wohl kaputt, wir probieren es morgen wieder." Danke.

Mit den Ausreden tut man sich schwerer, wenn die Musik für den Spross wirklich gut gemeint ist – und gut gemacht. Das ist bei "Bakabu, der lustige Ohrwurm" der Fall – einer CD-Reihe mit Buch zur sprachlichen Frühförderung der ganz Kleinen ab drei. Zwei Alben gibt es schon, für 2017 sind zwei weitere geplant. Die Lieder beziehungsweise deren Texte wurden von Musikern, Pädagoginnen und einer Sprachwissenschafterin erarbeitet. Nicht die ganz klassische Bandbesetzung also.

verein musik & sprache – hör zu, bakabu
Pädagoginnen über "Bakabu, der lustige Ohrwurm".

Grammatik zum Mitsingen

Die Lieder greifen Alltagssituationen aus dem Leben der Kinder auf (etwa den Weg in den Kindergarten) und wollen spielerisch Sprachkompetenz vermitteln, indem sie den Wortschatz erweitern und einfache grammatikalische Grundregeln vermitteln. Jedes Lied beinhaltet eine spezielle, wissenschaftlich fundierte Sprachübung. "Die Texte sind so konzipiert, dass sie einen möglichst eindeutigen sprachlichen Input liefern", sagt die Sprachwissenschafterin Barbara Rössl-Krötzl, wissenschaftliche Projektleiterin von "Bakabu". "Im Fokus jedes Liedes stehen bestimmte Sprachkategorien aus den Bereichen Satzbau, Wortschatz und Wortgrammatik." All das mit gewaltigem Ohrwurm-Potenzial.

Die CD-Reihe ist vor allem für Kindergärten, Volksschulen und Organisationen gedacht, die mit Kinderbetreuung befasst sind, steht aber auch Familien zur Verfügung. Mittlerweile erreicht das Projekt 200.000 Kinder in ganz Österreich – und es werden laufend mehr. Seit kurzem setzen beispielsweise auch die rund 250 sogenannten Sprachförderkräfte in städtischen und privaten Kindergärten in Wien auf "Bakabu" – auf Initiative des neuen Bildungsstadtrats Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Demnächst dürfte der lustige Ohrwurm also durch noch mehr Gehörgänge kriechen – die der Kinder und wohl auch die ihrer Eltern. (lima, 10.3.2017)

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