Spanien: Ski fahren im Shoppingcenter

27. März 2017, 15:22
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In Torremolinos an der Costa del Sol will die britische Intu-Gruppe die größte Mall Europas bauen

Es ist ein Stück Brachland, steinig-karg in Küstennähe unweit der Stadtgrenze von Torremolinos (Málaga) gelegen. Just hier soll schon diesen Herbst mit dem Bau einer der größten Shopping-Malls Europas, dem Shopping Resort Intu Costa del Sol, begonnen werden.

Die britische Intu will mehr als 500 Millionen Euro investieren, um hier auf mehr als 200.000 m² Geschäftsfläche eine glitzernde Konsum- und Unterhaltungswelt zu schaffen – sobald die letzten beiden bürokratischen Hürden, das Okay des Infrastrukturministeriums zum Straßenanschluss und das Städtebau-Budget PGOU (span. Plan General de Ordenación Urbana), überwunden sind.

"Wir sind sicher, dass das Projekt schon sehr bald grünes Licht erhalten wird", sagt José Ortíz García, Bürgermeister von Torremolinos (PSOE), zum Standard. Vor mittlerweile 25 Jahren war es erstmals auf die Agenda gesetzt worden, doch "aufgrund administrativen Stillstands in der Schublade verschwunden". Ortíz García setzt große Hoffnungen in das Vorhaben: "Dadurch wird Torremolinos zu einem Epizentrum des Einkaufstourismus, für Familien und Urlauber, nicht nur an der Costa del Sol, sondern für ganz Andalusien."

Synergien und neue Kunden

Umweltschutzbedenken räumt er aus: "Das Vorhaben übertrifft die vorgeschriebenen Umweltschutzmaßnahmen bei weitem. Und nicht nur die Shopping-Mall wird errichtet, sondern damit einhergehend auch eine ausgedehnte Parkanlage, die das Center mit dem Stadtzentrum verbindet." Das Shopping-Center brächte über die Flaniermeile auch Synergien und neue Kunden, von denen gerade Geschäfte im Stadtzentrum profitieren würden, ist der Bürgermeister überzeugt.

Um die knapp 68.000 Einwohner zählende Stadt Torremolinos, die bereits in den 1960er-Jahren Pionier in Sachen Spanien-Tourismus war, leben außerdem zehntausende britische Expats, die dem "Brexit" zum Trotz für Intu auch Motivation waren, die Mega-Mall umzusetzen, betonte der CEO von Intu Costa del Sol, Nick Hodgson, im vergangenen Juni bei der Projekt-Präsentation.

Für die Tourismushochburg bedeute das Shopping-Resort den großen Wurf: 4000 direkte Arbeitsplätze, weitere 6000 indirekte. In weiterer Folge sind bereits zahlreiche Wohnungen im Umland der Mall geplant.

Intu verfügt durchaus über Erfahrung; betreibt man doch 16 Einkaufszentren in England und drei in Spanien, etwa "Puerto Venecia" mit Gondeln und Kanälen in Saragossa (2012 eröffnet; siehe Bild). Dieses erhielt mehrere Preise, darunter die Auszeichnung als "Bestes Shopping-Resort der Welt" auf der Retail-Immobilien-Fachmesse Mapic in Cannes 2013. Neben zwei kleineren in den nordspanischen Regionen Asturien und Galicien sollen weitere Malls in Palma de Mallorca und Valencia folgen.

Indoor-Skiing

In Torremolinos sollen nicht nur Top-Marken präsent sein. Bei Intu betont man die enge Kooperation mit dem spanischen Textilkonzern Inditex (u. a. Zara), dessen neun Marken im Shopping-Resort von Saragossa vertreten sind. Und neben dem umfassenden Gastronomieangebot soll es in Torremolinos auch eine Indoor-Skipiste geben, heißt es seitens der Investmentgesellschaft. In der Region Málaga sicherten sich die Briten hierfür auch die Unterstützung der einflussreichen Gin-Familie Larios (Sociedad Azucarera Larios, kurz Salsa), bekannt durch die Marke "Gordon's". (Jan Marot aus Torremolinos, 27.3.2017)

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    foto: intu
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