Novomatic sucht den Jackpot

9. März 2017, 17:27
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Das niederösterreichische Unternehmen sondiert für seine rasante Expansion neue Finanzierungen, wobei ein Börsengang in London eine Option ist

Wien – Letztes Jahr sollen sich ein paar FBI-Leute in Gumpoldskirchen herumgetrieben haben. Was die Ermittler im beschaulichen Weinort südlich von Wien getrieben haben? Die Amerikaner waren weder hinter Spionen her noch jagten sie Terroristen. Vielmehr interessierten sie sich für die Geschäfte des Glücksspielkonzerns Novomatic, der in Gumpoldskirchen seinen Sitz hat. Und es war auch nicht der Verdacht auf unlautere Geschäfte, sondern eine Routineprüfung, die das FBI nach Niederösterreich trieb.

In den USA werden Glücksspielanbieter auf Herz und Nieren geprüft. Das Verfahren muss man auch durchlaufen, wenn ein Eigentümerwechsel stattfindet. Und das war mit der Mehrheitsübernahme des Automatenherstellers Ainsworth durch Novomatic der Fall. Der australische Marktführer hat seine Hände auch in den USA im Spiel, zählt dort zu den Top-Five-Anbietern. Vor allem bei Automaten ist Las Vegas Ainsworth stark.

Treiber im Konzentrationsprozess

Umgerechnet knapp 310 Mio. Euro legt die vom gelernten Fleischermeister Johann Graf kontrollierte Novomatic für die Akquisition auf den Tisch. Mit der Beteiligung an den Casinos Austria haben die Niederösterreicher im Vorjahr rund 500 Millionen zugekauft. In dieser Tonart dürfte es weitergehen, weil Novomatic im seit Jahren anhaltenden Konzentrationsprozess ein Treiber bleiben will. Allein seit 2009 wurden laut Firmenangaben 150 Unternehmen erworben, der Umsatz inklusive der von der Schweiz aus gesteuerten Aktivitäten auf 4,4 Milliarden Euro katapultiert (ohne Australien). Zwar schreibt die Gruppe mit mittlerweile 30.000 Mitarbeitern hohe Gewinne, doch irgendwann könnten neue Finanzierungsformen für Akquisitionen notwendig werden. Daher wurde immer wieder ein Börsengang ins Auge gefasst.

Spekulationen in diese Richtung erhielten am Donnerstag neue Nahrung. Laut Finanzagentur Bloomberg wird nun erwogen, einen Viertelanteil der Novomatic an die Börse zu bringen. Als Aktienmärkte wurden demnach London und Frankfurt ins Auge gefasst. Allerdings werde auch eine Teilveräußerung an einen Finanzinvestor erwogen, hieß es in dem Bericht. Klar ist, dass es um viel Geld geht. Auf rund sechs Milliarden wird der Novomatic-Wert geschätzt, womit die Transaktion auf 1,5 Mrd. Euro kommen könnte. Offiziell hält sich der Konzern zurück, bestätigt nur laufende Evaluierungen von Kapitalmarktfinanzierungen. Laut Insidern dürfte Entscheidung erst in zwei, drei Monaten fallen.

Neue Finanzierungsquelle

Novomatic hat sich erst am 1. März eine neue Finanzierungsquelle erschlossen: eine Kreditlinie über eine Mrd. Euro, die von 13 internationalen Banken zur Verfügung gestellt wurde. Das Geld soll als Hauptfinanzierungsquelle "für allgemeine Geschäftszwecke" dienen, läuft bis 2022 und hat zwei Verlängerungsoptionen von je einem Jahr. Organisiert wurde die frische Kreditlinie von Commerzbank, Erste Group Bank, LBBW und Bank Austria. (gras, 10.3.2017)

  • Niki Lauda bekommt die Expansion von Novomatic zu spüren.  Die Anwesenheit des Markenbotschafters ist immer öfter erwünscht.
    foto: novomatic

    Niki Lauda bekommt die Expansion von Novomatic zu spüren. Die Anwesenheit des Markenbotschafters ist immer öfter erwünscht.

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