Fensterbauer Hrachowina zieht nach Wiener Neustadt

9. März 2017, 17:54
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Produktion aus Kagran nach Niederösterreich verlegt – Hoffnung auf gute Tischler

Wien – Den Holzstaub im Büro vermisse er schon, sagt Peter Frei, Geschäftsführer des Fensterherstellers Hrachowina. An der Verlagerung der Produktion hinaus aus Wien habe dennoch kein Weg vorbeigeführt. Über Jahrzehnte fertigte der Familienbetrieb Fenster und Türen in Kagran. Gut 80 Mitarbeiter waren damit betraut.

Die Wohngebiete rundherum wurden dichter, die Fenstermärkte härter und gute Tischler in der Bundeshauptstadt zusehends rar. Ende 2015 verkaufte Hrachowina die gesamte Liegenschaft an ein Wohnbaukonsortium. Diese Woche erfuhren die Mitarbeiter, dass es im kommenden Jahr auf nach Wiener Neustadt geht.

Der Wiener Fensterbauer investiert dort drei Millionen Euro in ein Joint Venture mit dem Mitbewerber Weinzetl und in den Ausbau von dessen Produktion. Die niederösterreichische Firma Weinzetl erzeugt wiederum im Waldviertel mit Partnern federführend Kunststofffenster.

Zum einen beteiligt sich Hrachowina an ihrer Produktionsgemeinschaft Waku, zum anderen spezialisieren sich die beiden in Wiener Neustadt auf Holzfenster.

Produziert wird gemeinsam, die Marken und der Vertrieb bleiben aber getrennt. Zentrale und Logistik belässt Hrachowina in Wien. Auf dem Markt treten beide weiterhin als Konkurrenten auf.

Berührungspunkte bei Kunden gebe es nur wenige, sagt Frei. Wie es gelingen wird, zwei Familienbetriebe, die mehr als 100 beziehungsweise 50 Jahre lang eigenständig agierten, auf Dauer friedlich unter einem Dach zu vereinen? "Man muss gut miteinander reden können."

Viele kleine Platzhirsche

776 Millionen Euro wiegt Österreichs Fensterbranche gemessen an den Herstellerpreisen, errechnete Kreutzer Fischer & Partner. Der Umsatz ging über Jahre stetig zurück, erst 2016 zog er wieder um rund zwei Prozent an, da Neubau und Sanierung in Schwung kamen. Letztere sorgt für mehr als 60 Prozent des Fenstergeschäfts.

65 Prozent des Marktes verteilen sich auf 20 Unternehmen, allen voran Internorm, Josko, Gaulhofer und Actual. Der Rest ist nach wie vor in der Hand kleiner, regional verwurzelter Platzhirsche; Marktforscher Andreas Kreutzer zählt deren in Österreich bis zu 200. Wobei ihre Zahl sinkt, wie er berichtet. Denn für kleine Zimmereien zahle sich der Bau von Holzfenstern aufgrund der komplexen Produktkennzeichnung in der EU vielfach kaum noch aus.

Von 2,2 Millionen Fensterflügeln, die hierzulande jährlich verkauft werden, stammten 95 Prozent aus Österreich. Anders als in Deutschland sei der Importdruck nur in Ostösterreich und Kärnten hoch, ist Kreutzer überzeugt.

Hrachowina setzt mit 110 Mitarbeitern nach eigenen Angaben elf Millionen Euro um. Wie viele Beschäftigte aus der Produktion nach Wiener Neustadt übersiedeln, wo die bisherige Belegschaft von Weinzetl verdoppelt wird, ist noch offen. In Wien sei es immer schwieriger geworden, geeignete Leute zu finden, sagt Frei, der sich in Niederösterreich weniger Fluktuation erwartet. "Viele gute Tischler gehen in Wien lieber Stapler fahren." Das erscheine offenbar komfortabler und verdienstvoller. (Verena Kainrath, 9.3.2017)

  • Nur sieben Prozent der österreichischen Fenster sind aus Holz. Kunststoff dominiert.
    foto: getty images/istockphoto

    Nur sieben Prozent der österreichischen Fenster sind aus Holz. Kunststoff dominiert.

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