Warum Geister in der modernen Physik keinen Platz haben

12. März 2017, 10:30
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Theoretischer Physiker Brian Cox und Astrophysiker Neil deGrasse Tyson erläutern im BBC-Radio die theoretische Unmöglichkeit von Gespenstern

London – Eine Umfrage aus dem Jahr 2013 ergab, dass 30 Prozent der Österreicher an die Existenz von Geistern glauben. In den USA sind es sogar 42 Prozent – eigentlich ein guter Grund, verwundert den Kopf zu schütteln, wenn man bedenkt, dass bisher niemand auch nur annähernd glaubwürdige Belege für eine Begegnung mit einem Geistwesen vorlegen konnte. Leute, die sich trotzdem nicht davon abbringen lassen, an spiritistische Phänomene zu glauben, argumentieren ja gerne, dass es wohl keinen Beweis dafür gäbe, dass Geister nicht existieren – doch dem widersprechen Physiker.

In einer kürzlich gesendeten Folge der BBC-Radio-4-Sendung "The Infinite Monkey Cage" legte der britische theoretische Physiker Brian Cox gemeinsam mit dem US-Astrophysiker Neil deGrasse Tyson dar, dass man durchaus Belege für die Nichtexistenz von Gespenstern oder anderer Formen von Wesenheiten, die nach dem Tod eines Menschen das Diesseits heimsuchen, vorlegen könnte.

Kein Raum für Geister

Zunächst einmal würde schon das Standardmodell der Elementarteilchenphysik der Annahme von Geistern nicht den geringsten Raum bieten. Weder eine unentdeckte Substanz, noch ein vielleicht bisher verborgenes Medium wären in der Lage, Informationen zu transportieren, die nach dem Tod eines Menschen übrig bleiben.

Gäbe es eine Art von Muster, das Informationen der ursprünglich lebenden Zellen über den Tod hinaus bewahrt, dann ist dafür auch ein entsprechendes Medium nötig – und das müsste beispielsweise in den Detektoren des Large Hadron Collider (LHC) am Kernforschungszentrum Cern bei Genf nachweisbar sein, meint Cox. "Das wäre nach bisherigem Verständnis undenkbar, zumindest bei jenen Energieniveaus, unter denen die Partikel unseres Körpers miteinander interagieren", so der Physiker.

Zum anderen würde die Existenz von Geistern dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik widersprechen. Er besagt unter anderem, dass die Gesamtentropie eines geschlossenen Systems mit der Zeit zunimmt. Nachdem Geister offenbar nicht aus Materie, sondern aus einer Art Energie bestehen, müssten sie diese durch ihre Aktivität – also ihre Bewegung, ihr gruseliges Leuchten oder ihre Spukgeräusche – allmählich abbauen. Ein derartiges Wesen müsste sich laut Cox eher früher als später selbst verzehren.

--> BBC Radio 4: The Infinite Monkey Cage Christmas Special

(red, 12.3.2017)

  • Auch mit dem Large Hadron Collider am Cern wurden noch keine Gespenster ausgemacht.
    foto: pascal

    Auch mit dem Large Hadron Collider am Cern wurden noch keine Gespenster ausgemacht.

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