Wie ein fliegendes Reiskorn auf die Jagd gehen kann

Video10. März 2017, 11:23
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Die winzige Raubfliege Holocephala fusca hat kaum Platz für ein Gehirn, kann sich aber auf ihre hervorragenden Augen verlassen

Cambridge – Die Raubfliege Holocephala fusca ist so winzig, dass Forscher der Universität Cambridge sie mit einem Reiskorn vergleichen. Trotz eines nur sechs Millimeter langen Körpers – und einem entsprechend dimensionierten Gehirn – ist sie aber zu ausgefeilten Flugmanövern in der Lage, um ein vorbeifliegendes Beutetier abzufangen.

Kleine Königin der Lüfte

Grundlage der Jagdkünste sei die extreme Sehschärfe der Zweiflügler, berichtet das internationale Forscherteam um Trevor Wardill von der Uni Cambridge im Fachmagazin "Current Biology". Die Raubfliegen können Beutetiere unter zwei Millimeter Größe noch aus einer Entfernung von mehr als einem halben Meter sehen: das ist für ein Tier mit Facettenaugen bemerkenswert.

cambridge university

"Wir wussten, dass diese Fliegen im Vergleich zu anderen Zweiflüglern ein besseres Sehvermögen besitzen, aber dass sie damit selbst zehn Mal größeren Libellen im Hinblick auf die räumliche Auflösung überlegen sind, hätten wir nicht gedacht", zog Studienleiterin Paloma Gonzalez-Bellido nach einer Reihe von Experimenten staunend Bilanz.

Abfangjäger

Die Forscher kamen dem Gesichtssinn von Holocephala fusca mit einer Reihe von Versuchen auf die Spur. Sie filmten die Fliege in deren natürlichem Lebensraum mit Hochgeschwindigkeitskameras. Mithilfe einer speziellen Apparatur ließen die Forscher ein bis vier Millimeter große, an einer Angelschnur angebrachte Kügelchen – vermeintliche Beutetiere – an den sitzenden Fliegen vorbeiziehen.

Diese gingen daraufhin zum Angriff über. Während sie die Verfolgung aufnahmen, hielten sie zunächst einen Abfangkurs, mit dem sie an einem bestimmten Punkt genau mit dem Beutetier zusammengetroffen wären. Dass auch die kleinen Raubfliegen diese im Tierreich weitverbreitete Strategie nutzten, ist laut den Forschern zwar nicht völlig überraschend, war aber bisher unbekannt.

Dann beobachteten die Forscher etwas Unerwartetes: Wenn sich die Fliegen auf knapp 30 Zentimeter ihrem Beutetier genähert hatten, bremsten sie ab und änderten ihre Flugbahn, bevor sie die Beute attackierten. Dieses Manöver erhöhe die Trefferchancen, schreiben die Forscher.

Parallele Entwicklung

Die Wissenschaftler untersuchten anschließend die Facettenaugen der Raubfliegen genauer und fanden heraus, dass diese eine ausgezeichnete Sehschärfe vermitteln. Sie verfügen an einer zentralen Stelle über ein Pendant zur Fovea centralis der Säugetiere, also einen Punkt des schärfsten Sehens. "Wir haben gezeigt, dass die Anpassungen, die selbst ein winziges Nervensystem unter starkem Druck hervorbringen kann, dem Tier Lösungen ermöglicht, die wir sonst nur größeren Tieren zusprechen", sagt Gonzalez-Bellido. (APA, red, 10. 3. 2017)

  • Multiphotonenmikroskopische Aufnahme der Facettenaugen von Holocephala fusca.
    foto: sam fabian

    Multiphotonenmikroskopische Aufnahme der Facettenaugen von Holocephala fusca.

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