Mercedes E Coupé: Klarsicht, Klarheit, Klasse

20. März 2017, 09:32
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Der jüngste Neuzugang der Kernbaureihe von Mercedes ist auch der bisher schönste – das Coupé, das erstmals komplett auf der E-Klasse basiert. E-Klasse? Eh klasse!

Barcelona – Coupé. Der Begriff geht auf das Kutschenzeitalter zurück, lange bevor der Mensch auf die Idee kam, in metallenen Zylindern ein gemütliches Feuerchen zu entfachen, das man zum Vorankommen ganz ohne Pferd nutzen könnte. Er stammt aus dem Französischen und bedeutet schlicht geschnitten, abgeschnitten – und statt vier oder mehr Reisenden saßen deren nur zwei in der Kabine.

foto: daimler
Mercedes ist mittlerweile Grossist in Sachen Coupé. Es gibt drei klassische Vertreter (C-, E-, S-Klasse), zwei viertürige (CLA und CLS Coupé) und zwei SUV-Ableger (GLC und GLE Coupé).

Heute steht Coupé für zwei Türen und Eleganz, für die schönste automobile Form überhaupt, und darin liegt auch die Erklärung für den – nun ja: erwerbsträchtigen Missbrauch, der mit der schwungvollen Silhouette und dem Begriff an sich betrieben wird.

foto: daimler

Mercedes selbst war eine der treibenden Kräfte dahinter, denn mit dem CLS lancierten die Stuttgarter 2004 ein Coupé, das, hoppla, vier Türen aufwies und damit den Hauptnachteil wettmachte, unpraktisch zu sein – eine Nebenerscheinung der Schönheit. BMW war der andere Unhold. 2008 wagten es die Weißblauen, SUV und Coupé zum X6 zu vermählen.

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Beides verkaufte sich, wie man in Deutschland sagt, wie geschnitten Brot, was ja der Zweck der Übung war, und Mercedes kann man heute getrost als Coupé-Grossisten bezeichnen: Neben C-, E-, S-Klasse (klassisch, zwei Türen) sind CLS und CLS (unkonventionell, vier Türen) sowie GLC und GLE Coupé (SUVs) zu nennen.

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Coupé also. Damals parlierten Europas Machteliten westfränkisch, heute talken sie inselsächsisch. Will man nicht davon ausgehen, dass Mercedes eine in Deutschland beheimatete US-Firma ist, muss einen die Anbiederung befremden. Sie nervt jedenfalls stark, also verweigern wir diesmal einfach die Übernahme der entsprechenden Marketingfloskeln und berichten von – zum Beispiel – magischer Visionskontrolle; einem der technischen Schmankerl, die Mercedes bei der Vorstellung des E-Klasse Coupés in Katalonien zu nennen geruhte.

foto: daimler

Prophetieempfangsgerät? Nicht ganz. Sondern: Durchblickshilfe. Der Hersteller hat eine Tradition bei schlauen Scheibenwischern, noch gut in Erinnerung dürfte der Einarmwischer sein. Diesmal geht es um optimale Klarsicht, und erreicht wird das durch wischerblattintegrierte, schwallhemmend wirkende Wasserzuführung. Winters wird das System beheizt und versetzt Schnee oder Eis zurück in den flüssigen Aggregatzustand.

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Neben Klarsicht sind Klarheit und Eleganz zu nennen, ein Stichwort für das Design: Das Konzept der "sinnlichen Klarheit" ist am schmucken Korpus des E-Coupés ohne weiteres nachvollziehbar.

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Den Fahrcharakter des gegenüber der Limousine um 15 mm tiefergelegten Schönlings kann man sich übrigens selbst zusammenbasteln – einmal über die Motorisierungen, ein ander Mal über die Fahrwerke, deren gleich dreie zur Auswahl stehen: Basisfahrwerk, adaptives Dynamikfahrwerk und eines mit Mehrkammerluftfederung. Von komfortabel bis richtig sportlich ist alles drin. Und in jedem Fall gilt: Funktion folgt Form. (Andreas Stockinger. 20.3.2017)

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Nachlese:

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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